Schlägst Du ein Buch auf, wirst Du selten direkt mit dem ersten Kapitel konfrontiert. Vorher begegnen Dir vorangestellte Seiten, mit Widmungen für geliebte Personen oder Epigraphen, die Dich locken und darin bestärken wollen, die Geschichte zu lesen.
Im Laufe der Zeit haben sich mehrere Begriffe angesammelt, die sich mit den Texten vor und nach dem Hauptinhalt beschäftigen.
Man könnte sagen, es gehört zum guten Ton, seine Geschichte nicht gänzlich alleine zu präsentieren, sondern sie anzureichern und somit sicher zu stellen, dass die Lesenden sich willkommen geheißen fühlen.
Vielleicht hast auch Du schon mit dem Gedanken gespielt, Deine Geschichte auszuschmücken, doch der passende Begriff fällt Dir nicht ein?
Dann bist Du hier richtig. Lass uns ein paar literarische Spielereien kennenlernen!
Epigraph
„Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass ein alleinstehender Mann mit einem ansehnlichen Vermögen unbedingt eine Ehefrau braucht.“
Stolz und Vorurteil von Jane Austen
„Alle glücklichen Familien gleichen einander; jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“
Anna Karenina von Leo Tolstoi
Das Epigraph ist ein griechisches Wort und bedeutet so viel wie „Aufschrift“ oder „Inschrift“, womit gemeint ist, dass dem Hauptwerk ein kurzer Text voransteht.
In der Literatur kennen wir das Epigraph in Form von Zitaten oder einer denkwürdigen Aussage, die sich auf die Geschichte beziehen und einen interessanten Aspekt hervorheben.
Wie ein Teaser soll er Neugierde wecken, aber auch die Stimmung, den Kontext und die Bedeutung Deiner Geschichte festlegen.
Wie erstellst Du so einen Epigraph?
Suche Dir Zitate aus anderen Werken, aus Klassikern, aus Gedichten oder von berühmten Persönlichkeiten.
Prüfe unbedingt die Quelle nach Glaubhaftigkeit und Seriösität, denn der Urheber des Zitates muss darunter stehen.
Natürlich sollte der Autor oder die Quelle thematisch zu Deinem Werk passen.
Cornelia Funke hat in ihren Büchern Tintenblut, Tintenwelt und Tintentod Zitate aus Klassikern der Kinderliteratur vorangestellt.
Natürlich kannst Du auch Dein eigenes Epigraph verfassen, was besonders persönlich und authentisch klingt 😉
Je kürzer, umso prägnanter. Halte Dich nicht mit langen Erklärungen auf, mache ihn zu einer starken Aussage, die zum Nachdenken anregt.
Überlege, wo Dein Epigraph stehen soll. Ein einzelner dem Werk vorangestellt? Oder jeweils vor jedem neuen Kapitel? Experimentiere und schau, was Deine Geschichte braucht.
Epigraphen gehören seit Jahrhunderten als fester Bestandteil zur Literatur und genießen einen guten Ruf. Natürlich ist er kein Muss, aber wozu auf ein starkes Mittel verzichten, um Deine Geschichte zu präsentieren? 😀
Widmung und Danksagung
Viele Autoren und Autorinnen nutzen ihre Werke, um bestimmten Personen ihre Wertschätzung zum Ausdruck zu bringen oder sich für deren Unterstützung während der Arbeit zu bedanken.
Widmung
Dieser besteht normalerweise aus wenigen Sätzen und steht auf der ersten oder zweiten Seite des Buches. Das Werk wird einer oder mehreren Menschen gewidmet, die eine besondere Rolle im Leben des Schreibenden spielen.
Eine Widmung kann liebevoll formuliert sein, ich habe aber auch schon humorvolle und sogar sarkastische gesehen.
Danksagung
Die Arbeit an einer Geschichte ist bekanntlich weder kurz noch einfach und so sammeln sich im Laufe dieser Mühen Kontakte an, denen eine Erwähnung gezollt wird.
Normalerweise kommt eine Danksagung nach dem Haupttext und sie kann von wenigen Zeilen bis zu mehreren Seiten umfassen, in denen Familienmitglieder, Freunde, Testlesende, Lektoren und Grafiker ihren Namen wiederfinden.
Eine Danksagung ist eine schöne Gelegenheit, Wertschätzung zu zeigen und geliebte Personen zu verewigen.
Prolog und Epilog
Diese beiden sind Szenen, die außerhalb der „Kerngeschichte“ spielen um dazu zu dienen, Informationen zu geben, die in der eigentlichen Handlung nicht vorkommen.
Beide sind optional und ihr Gebrauch will gut überlegt sein. Die genauen Gründe verrate ich Dir.
Prolog
Dieser Textabschnitt findet seinen Platz nach der Widmung aber vor dem ersten Kapitel. Ein Prolog kann nützlich sein, aber genießt kein besonders gutes Ansehen und wird von vielen Schreibenden gar „verteufelt“.
Die Krux liegt darin, dass der Prolog einfach schon zu oft falsch angewendet wurde, woraus resultiert, dass Lesende genervt sind und diesen einfach überspringen.
Wie also schreibst Du einen Prolog, damit seine Existenz (und die damit einhergehende Verzögerung bis zum ersten Kapitel) gerechtfertigt ist und Lesende ihn tatsächlich lesen?
Tu dies
Eine Situation aus einer Erzähl-Perspektive zeigen, die in der „Kerngeschichte“ nicht vorkommt. (Zum Beispiel aus der des Antagonisten, der einen bösen Plan vorbereitet)
Ein kurzer Ausschnitt einer relevanten Situation aus einer späteren Szene zeigen, um Neugierde und Spannung zu erzeugen.
Eine Situation, die vor dem ersten Kapitel spielt und als Vorgeschichte dient (Disney macht das in nahezu jedem Film)
Prolog (und Epilog) als Rahmenhandlung nutzen, wie zum Beispiel in Titanic, als Rose als alte Frau auf dem Expeditionsschiff die Geschichte aus ihrer Erinnerung erzählt. Diese Maßnahme machte die Ereignisse auf der Titanic 1914 zeitlos und unsterblich.
Tu dies nicht
Informationen werden vermittelt, die entweder nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun haben oder ins erste Kapitel gehören.
Ton, Thema und Handlung haben nichts mit dem Rest der Geschichte zu tun und setzen falsche Erwartungen, was die Lesenden enttäuscht.
Epilog
Der Epilog geschieht nach dem Ende der „Kerngeschichte“, also wenn alle offenen Fragen beantwortet und alle Konflikte gelöst sind. Hier zeigst Du nur noch in einem letzten Bild, wie das Leben Deiner Figuren weitergeht. Ob sie ihren Frieden gefunden haben, wie sie mit den Konsequenzen umgehen, ob sie glücklich geworden sind.
In Harry Potter und die Heiligtümer des Todes sehen wir Harry mit seiner Familie, 19 Jahre später, am Gleis 9 3/4, als er seine Kinder zum Hogwarts-Express begleitet.
Ja, Du kannst Deiner Geschichte einen Epilog hintenanstellen. Nach einer langen, epischen Handlung mit schweren Schicksälen macht es durchaus Sinn. Und Deine Lesenden haben so die Gelegenheit, sich von ihren liebgewonnenen Figuren zu verabschieden.
Sollte dieses Gefühl des endgültigen Abschlusses jedoch schon im letzten Kapitel stattgefunden haben, fühl Dich nicht dazu verpflichtet, künstlich hinauszuzögern.
Prequel und Sequel
Manchmal kommt es vor, dass die Welt einer Geschichte so große Ausmaße annimmt und noch so viel Potenzial drinsteckt, sodass weitere Handlungen darin Platz finden.
Oder diese Geschichte hat genug kommerziellen Erfolg, um noch mehr Gewinn aus ihr zu schlagen. So oder so -das letzte Kapitel dreht sich um das Prequel und das Sequel.
Zuallererst, es macht einen riesigen Unterschied, ob eine Idee mit einem Handlungsbogen auserzählt und dann künstlich verlängert wird. Oder ob besagte Idee von sich aus mehr Spielraum anzubieten hat.
Im ersten Fall erlebt man regelmäßig, dass die Nachfolger (sowohl Prequel als auch Sequel) dünner, schwächer und einfallsloser sind als das Original. Fehlende Tiefe wird durch Klischees gestopft und was einst gefeiert wurde, versandet in der Bedeutungslosigkeit.
Im zweiten Fall beinhaltet das Original bereits Andeutungen, interessante Figuren und genug Hintergrundgeschichte, die Du nur noch herauszuziehen hast, um neue Abenteuer aus ihr zu weben.



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