Aber beginnen wir von vorne.
Was bringt Deine Lesenden dazu, sich mit Deiner Figur zu verbinden und ihren Abenteuern beiwohnen zu wollen?
Emotionale Resonanz und Sympathie.

Sympathie ist wichtig und ich werde weiter unten darauf eingehen, doch an erster Stelle steht, dass Deine Figur in der Lage sein sollte, für Deine Lesenden nachvollziehbar zu sein. Sie muss bei ihnen einen Widerhall der Verständnis und Wiedererkennung erzeugen. Wie schaffst Du das?

Das Zauberwort ist Emotion


Eine starke Emotion, ein Verlangen, eine Motivation, wie zum Beispiel das Bedürfnis nach Zugehörigkeit, nach Gerechtigkeit oder Freiheit treibt Deine Figur an. Wir alle kennen solche Emotionen, denn sie sind Teil der menschlichen Natur. Man spricht dann von der Conditio humana.

Gleich, welche Figur Du erschaffst, stelle sicher, dass ihre Motivation, sowie ihr innerer wie äußerer Konflikt und ihr Bedürfnis, zur Conditio humana gezählt werden können.

Diese Liste ist ein Überblick über die 9 Grundmotivationen, ich hoffe, sie inspiriert Dich.

Das rohe Bedürfnis, sein Leben zu retten und heil aus einer extremen Situation zu entkommen, ist wohl das natürlichste aller Lebewesen. Deine Figur könnte in der Wildnis gestrandet sein oder muss in einer Arena um Leben und Tod kämpfen.

Die Aufmerksamkeit und Zuneigung dieser einen Person zu empfangen, wen würde es nicht motivieren? Millionen von Geschichten drehen sich genau darum.

Eines der Grundbedürfnisse jedes Wesens ist es, in Freiheit zu leben. Wie heißt es, „lieber stehend sterben als kriechend leben“. Freiheit ist ein extrem starkes Motiv, das ganze Revolutionen schon beflügelt hat.

Wer wünscht sich nicht, einen festen Platz in der Welt zu haben und sich als Mitglied einer Gruppe zu sehen, in der man willkommen ist und geliebt wird?

Klingt etwas ungewöhnlich, doch sollte Deine Figur längere Zeit in stressigen oder toxischen Situationen verbracht haben, wird sie Entspannung suchen, um zu heilen.

Wer regelmäßig erlebt, missverstanden zu werden oder sich wie ein „Alien auf dem falschen Planeten“ fühlt, für den ist Verständnis mehr als nur eine Sehnsucht innerhalb einer Situation. Es ist die lebenslange Suche nach einem „Tropfen Wasser in der Wüste“.

Kreative, Erfinder, Künstler und Autoren kennen das Bedürfnis, wenn die Ideen im Kopf einfach raus müssen. Auch Unternehmer und alle mit Tatendrang verspüren diese Welle von Leidenschaft, sich in die Arbeit zu stürzen und nicht zu essen und nicht zu schlafen, bis das Ergebnis den eigenen Ansprüchen genügt 😉

Wem eine Person, Sache oder Idee am Herzen liegt, wird seine Kräfte ballen, um diese vor Feinden zu verteidigen. Wichtig ist, sie nicht mit Besitzanspruch zu verwechseln, das ist etwas anderes.

Deiner Figur könnte es wichtig sein, als Mitglied einer bestimmten Gesellschaftsgruppe gesehen oder zu bestimmten Anlässen eingeladen zu werden, um Vorteile zu genießen, die sie sonst nicht bekommen würde.
Wem würde es nicht gefallen, einen Brief von einer Eule zu erhalten, um seinem langweiliges Leben in der Muggelwelt zu entfliehen 😀

Neben einer starken und nachvollziehbaren Motivation, die sie zum Handeln bringt, braucht Deine Figur zwei Widerstände, die sie hin- und herziehen:


Der innere und der äußere Konflikt

Der innere Konflikt ist eine Schwäche, die durch Zweifel, durch falsche Erziehung oder durch die Beschaffenheit der eigenen Persönlichkeit hervorgebracht wurde und Deine Figur davon abhält, ihr Ziel zu erreichen. Sie ist nicht mit der „Lüge“ gleichzusetzen, doch hängt stark mit ihr zusammen.

Wie oben schon beschrieben, Deine Lesenden brauchen eine emotionale Verbindung zu Deiner Figur. Lass sie die inneren Kämpfe der Figur miterleben, mit ihr fiebern und dann sehen, wie die Figur an ihnen scheitert oder sie überwindet.
Denn im Grunde geht es beim Geschichtenschreiben genau darum: Zu zeigen, wie der Mensch seine eigene Schwäche besiegt.
Erst dieser Aspekt macht eine Geschichte wirklich lesenswert.

Schau Dir diese Typen von inneren Konflikten an.

Wie Deine Figur nach außen wirkt und wer sie glaubt tatsächlich zu sein, treibt in diesem Konflikt auseinander. Es kann sein, dass sie sich anderen gegenüber erfolgreich gibt, aber in Wahrheit unter starken Selbstzweifeln leidet.
An seinem eigenen Selbstbild zu hadern, kann einen intensiven Kampf in der Figur hervorbringen.

Deine Figur stellt sich die Frage, welchen Sinn und Zweck ihre Existenz in der Welt hat und wie sie sich einfügen kann. Sie sucht nach Identität und Zugehörigkeit und findet diese in ihrer Selbsterkenntnis.

In einem Konflikt mit dem eigenen Selbstwert hadert Deine Figur möglicherweise mit den Zweifeln, ob ihre Leistungen jemals etwas wert sein könnten. Sie hinterfragt ihre Talente, ihre Qualifikationen und ob sie überhaupt liebenswert sei.
In diesem Fall sind der innere Kritiker oder das Hochstapler-Syndrom die inneren Dämonen.

Wie weit ist Deine Figur bereit zu gehen, um ihre Ziele zu erreichen? Welche moralischen und ethischen Grenzen ist sie bereit zu verschieben? Deine Figur gerät in Situationen, in denen es zwischen Schwarz und Weiß keine scharfe Trennung gibt und die Lösung womöglich fragwürdig ist.

Deine Figur kämpft zwischen dem Priorisieren eigener Bedürfnisse und dem Erfüllen der Wünsche einer anderen Person oder Gruppe. Opfert sie ihre eigene Zeit oder Chancen auf Erfolg, um anderen zu gefallen, oder stellt sie sich an erste Stelle, mit dem Risiko, andere zu verärgern? Vor allem äußerst fürsorgliche Menschen haben oft damit zu ringen.

Ob Zweifel an den Überzeugungen in Verbindung mit Religion, dem Verlust am Glauben an eine höhere Macht oder sogar der Weg zur Erleuchtung, Deine Figur durchschreitet einen Wald voller Unsicherheit, ringt mit Abkehr oder findet sich wieder in neuer Hoffnung.

Jede Geschichte braucht Konflikte. Gibt es sie nicht und alles ist fein, dann ist es eine Situation, aber keine Geschichte. Deswegen schauen wir uns jetzt an, was einen (äußeren) Konflikt ausmacht. Es gibt vier Kategorien.

Deine Figur tritt gegen eine andere konkrete Kraft an, sei es ein Rivale, ein körperloses Böse oder ein dunkler Lord.

Hier sind die Naturkräfte der Gegenspieler. Ob ein Eisberg, ein Schneesturm oder ein riesiger Wal -es ist der ewige Kampf Mensch gegen Umwelt.

Deine Figur selbst ist sich sein größter Feind. Ob Zweifel, verwerfliche Begierden oder ein Teufelskreis aus begangenen Fehlern und ihren Konsequenzen.

Deine Figur stellt sich gegen ein übermächtiges System. Ob es eine Regierung ist oder ein Konzern, dessen Machenschaften undurchschaubar und korrupt sind -es ist ein Kampf wie David gegen Goliath.

Im Prinzip ist das Erstellen eines äußeren Konfliktes wirklich simpel. Konfikte haben wir jeden Tag -mit Kollegen, mit Familienmitgliedern, mit dem Partner oder im Verkehr. Meist wegen kleinen Missverständnissen, oder weil wir unterschiedliche Werte und Prioritäten verteidigen.

Mal angenommen, Deine Figur will einen Kuchen für einen Geburtstag backen und beeilt sich, die Zutaten im Supermarkt zu besorgen. Sie braucht eine Zitrone. Nur noch eine ist ausgelegt.
Ein Mann schnappt sie ihr vor der Nase weg, weil er mehrere Zitronen für seine Cocktailparty benötigt und bereits drei in seinem Einkaufskorb liegen hat.
Deine Figur spricht den Mann an und bittet darum, ihr diese eine letzte Frucht zu überlassen. Der Mann sieht sich im Recht, denn er war schließlich schneller gewesen.
Aber Deine Figur will nur eine einzige und um in einen anderen Supermarkt zu gehen, fehlt ihr die Zeit. Sie argumentiert, dass dem Mann auch drei Zitronen reichen würden.
Er entgegnet, sie gehöre ihm.

Du kannst Dir denken, so entbrennt ein Streit.
Ob in einer alltäglichen Situation wie in diesem Beispiel oder in epischen Ausmaßen, die Formel lautet:

(Figur A will ein Ziel erreichen)+ (Figur B will das entgegengesetzte Ziel erreichen)= Lass sie aufeinander los.

Wichtig zu beachten ist, auch wenn es in Deiner Geschichte äußere Quellen für Konflikte geben sollte, so liegt es an Deiner Figur, sie heraufzubeschwören.
Sie sollte nicht einfach sitzen und die Probleme auf sich zukommen lassen.
Deine Figur, ihre Motivation und ihr innerer Konflikt treiben die äußeren Konflikte an. Ihre Entscheidungen bestimmen die Handlung.

Deine Figur wird aufgrund der Lüge, an die sie glaubt, ein Ziel verfolgen. Ihre Aktionen werden sich darauf konzentrieren, dieses zu erreichen. Doch das Ziel ist womöglich nicht das, was sie braucht.

Tatsächlich wird nicht das Erreichen eines Zieles Deine Figur vervollständigen, sondern die Erkenntnis, was ihre Wahrheit ist. Die Lektion, die sie benötigt, um ihr Leben zu verbessern. Dieser Moment ist der Höhepunkt einer Geschichte.
So weit so gut. Aber wie findest Du heraus, was genau Deine Figur braucht?
Im Grunde ist es einfach:

Die Wahrheit ist das genaue Gegenteil der Lüge.

Wenn Deine Figur also mit der Einstellung beginnt, sie sei schwach und hätte keinen Einfluss auf ihr Leben, dann wird die Wahrheit sein, dass sie stark ist und selbstbestimmt ihren Weg gehen kann.

Die Wahrheit, diese eine Lektion, steht um 180 Grad der Lüge gegenüber. Und nicht nur das, sie ist direkt mit dem Thema der Geschichte gekoppelt.

Wenn Deine Figur ihre Wahrheit gelernt hat, wird sie in der Lage sein, ihren inneren Konflikt beizulegen, den äußeren besiegen, und ihr Leben in einer neuen, besseren Qualität fortführen zu können.

Das Thema ist ein weiteres wichtiges Kapitel, was es zu verstehen gilt, doch ich werde es nicht hier besprechen, sondern im zweiten Teil. Sei gespannt 🙂

Nun kennst Du die Grundsätze, um die es bei Deiner Figur geht.
Deine Figur braucht:

Motivation+ innerer Konflikt+ äußerer Konflikt+Bedürfnis

Schauen wir uns nun die Figur selbst an.

Hauptfigur

Endlich ist es so weit, wir kümmern uns um Deine Hauptfigur!
Mit ihr beginnt Deine Geschichte und mit ihr endet sie. Umso wichtiger, dass wir sie ausgiebig kennenlernen und dafür sorgen, dass die Lesenden sich mit ihr identifizieren können.

Zuallererst: Wie kannst Du sicherstellen, dass Deine Figur zuordenbar ist?
Jeder Charakter in Deiner Geschichte sollte in mindestens eine von drei Kategorien passen: Kompetent, nützlich oder symphatisch.

Ist neu für Dich? Noch nie gehört? Aber diese Beispiele werden Dich sicherlich zum Grübeln bringen. Nehmen wir ein paar Charaktere aus Der Herr der Ringe.

Frodo= Sympathisch
Sam= Nützlich
Gandalf= Kompetent, nützlich und sympathisch
Aragorn= Kompetent
Legolas= Nützlich
Gimli= Sympathisch
Und bei Gollum? Auf seine ganz eigene faszinierende Art und Weise ist Gollum kompetent (er kennt den Weg nach Mordor), nützlich (er führt Frodo und Sam) und sympathisch (eine tragische Figur)

Hier ein paar weitere bekannte Figuren:

Sherlock Holmes= kompetent
Dr. Watson= nützlich

Elisabeth Bennett= Sympathisch
Mr. Darcy= kompetent

Harry Potter= sympathisch
Hermine Granger= kompetent
Ron Weasley= nützlich

Katniss Everdeen= kompetent
Peeta Mellark= sympathisch

Die Wahl, welcher Deiner Figuren welcher Eigenschaft zugeordnet werden kann, kannst Du mit diesen Fragen herausfinden:

Besitzt Deine Figur praktische Fähigkeiten oder Verbindungen? -Dann ist sie nützlich.

Hat Deine Figur höhere Kenntnisse in bestimmten Fachgebieten und ist gewillt, diese einzusetzen? -Dann ist sie kompetent.

Hat sie weder das eine noch das andere, muss aber dennoch Deine Lesenden überzeugen- mach sie sympathisch. Später kann sich Deine Figur immer noch in die anderen beiden Richtungen entwickeln.

Als Beispiel habe ich Idony, die Protagonistin aus meinem Roman 8000AD.
Als sie erschaffen wird, besitzt sie weder Erfahrung, noch Kenntnisse über die Welt, noch nennbare Fähigkeiten. Also habe ich ihr ein unschuldiges, kindliches Wesen und Neugierde geschenkt.
Im Laufe der Handlung lernt sie, in der Wildnis zu überleben, Fähigkeiten im Nahkampf und gewinnt tiefere Einblicke, wie die Welt um sie herum funktioniert.
Sie beginnt ihre Abenteuer mit dem wenigsten Wissen über die Problematik und endet mit dem meisten.

Und das ist Dein Ziel.

Eine versteckte Wunde

Wie behandelt deine Figur andere?

Eine Figur, die Opfer bringt

Ein Opfer unverdienten Unglücks

Die missverstandene Figur

Der Außenseiter

Hochkompetent (Menschen mögen kluge Charaktere)

Deine Figur verlässt ihre Komfortzone

Ein Sinn für Humor

Eine andere Figur mag deine Figur (und diese Liebe wird erwidert)

Hier noch ein kleiner Tipp: Deiner Figur geschieht ein Unglück, ein kleiner Regelbruch, nichts bedeutendes. Es spricht die rebellische Seite Deiner Lesenden an, ohne dabei zu weit zu gehen.
Erinnerst Du Dich an Fluch der Karibik Teil 1? Als Will Turner im Hause des Gouverneurs Swan wartet, bricht er aus Versehen eine Wandhalterung für Kerzen ab und versteckt sie dann. Dies ist der Unfug-Trick 🙂

Deine Figur kann Herausforderungen eigenverantwortlich und situationsgerecht bewältigen

Sie besitzt einen hohen Sachverstand und das Selbstbewusstsein, ihn einzusetzen

Auch in Stressituationen ist sie in der Lage zu handeln

Sie besitzt eine personale Kompetenz: Selbstreflexion, Kreativität, Loyalität/Treue

Aktivität und Handlung -Eigeninitiative, Entscheidungsfreude, Urteilsvermögen

Eine soziale und kommunikative Kompetenz -Empathie, Kritikfähigkeit, Teamfähigkeit

Eine fachliche und methodische Kompetenz -Analytisches Denken, Organisationstalent, Selbstmanagment

Mit praktischen Fähigkeiten wie Bauen, Reparieren, Kochen

Fähigkeit zur Kommunikation und zu vermitteln

Geben und Lösungen anbieten

Anderen in schwierigen Zeiten beistehen

Die Findigkeit, Hinweise und Informationen zu finden

Verbindungen und Netzwerke, die weitere Ressourcen binden

Deine Figur besitzt nun eine Grundeigenschaft. Das ist gut. Das alleine reicht aber noch nicht. Wir wollen sie zu einer echten Persönlichkeit formen. Wie jeder Mensch auf der Welt, wird auch Deine Figur nicht perfekt sein. Sie wird Stärken, aber auch Schwächen besitzen, kleine Eigenheiten und komische Angewohnheiten.

Warum darf sie nicht perfekt werden? Ganz einfach. Das ist niemand, das ist unrealistisch und ganz beiläufig auch langweilig.
Natürlich kannst Du eine Figur schreiben, die versucht, sich als perfekt darzustellen, aber das macht sie womöglich unbeliebt.
Ich werde im nächsten Teil genauer auf das Thema Perfektion und andere Fehler eingehen.

Konzentrieren wir uns hier auf die bunte Vielzahl an Eigenschaften, Stärken und Schwächen. Wie bestimmst Du, wie Deine Figur aussehen soll?

Überlege Dir, an welchem Ort Deine Figur geboren und aufgewachsen sein könnte, welcher kulturellen und sozialen Gruppe gehört sie an? Welche Wurzeln trägt sie in sich?

An dieser Stelle möchte ich klarstellen, dass es mir nicht um rassistische oder fremdenfeindliche Intentionen geht. Schreibe nicht, um Hass zu säen oder zu separieren, sondern um Vielfalt und Diversität zu fördern. Make books, not war!

Wie kleidet sich Deine Figur? Legt sie Wert auf ihr Äußeres oder ist ihr Komfort wichtiger? Mag sie sportliche, atmungsaktive Kleidung oder bevorzugt sie formelle?
Kann sie sich frei entfalten oder unterliegt sie strengen Regeln und Traditionen, was auch ihr Denken und Handeln beinflussen? Ist sie selbst konformistisch geprägt oder liberalistisch? Ist sie in sicheren Verhältnissen aufgewachsen oder musste sie in toxischen ausharren, in denen sie negative Muster gelernt hat?

Was könnten ihre äußeren Merkmale sein wie Gesichtsform, Hautfarbe, Haare und Augen? Es gibt so eine gigantische Bandbreite, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Am besten rechierchierst Du ausgiebig und erstellst Dir Notizen oder Moodboards zu Deinen Figuren. Ich habe zum Beispiel tonnenweise an Bildern auf Pinterest gesammelt 😀

Inzwischen hat sich die Vielfalt an verschiedenen Haarfarben stark verzweigt, es würde also nicht schaden, für Deine Figur auch mal Töne wie Strawberry-blonde oder Ash-brown, Dark copper-red oder Milktea in Erwägung zu ziehen.
Bedenke auch die Struktur. Ist sie glatt, wellig oder lockig? Trägt Deine Figur sie kurz oder lang und in welcher Frisur?

Auch bei der Augenfarbe gibt es ordendlich Auswahl. Von Eisblau über Haselnuss und Grün bis hin zu Schwarz. Obwohl das Konzentrieren auf die Augenfarbe wirklich nicht relevant ist und ab der dritten Erwähnung gruselig wird. Wirklich, übertreibe es nicht mit dem Beschreiben der Augen. Wichtiger ist der Ausdruck, der auf die Persönlichkeit hindeutet.

Kommen wir nun zu den Stärken und Schwächen Deiner Figur.
Wie alles in einer Geschichte, sollte auch dieser Aspekt gut überlegt und auf ihre Notwendigkeit abgeklopft werden.
Welche Eigenschaften wird Deine Figur brauchen, um ihre Handlungen vorwärts zu bewegen, welche ihrer Fehler rufen Konflikte hervor?
Könnte es sein, dass eine vermeindliche Schwäche sich zum Ende hin als Stärke entpuppt? Oder wird die Fähigkeit, auf die Deine Figur bisher stolz gewesen ist, auf einmal zum Verhängnis? Schau Dir diese List als Inspiration an.

Stärken Schwächen
Ehrlichkeit Unsensibel
Überzeugungskraft Manipulativ
Fürsorge Überprotektiv
Selbstbewusstsein Arroganz
Furchtlosigkeit Anmaßung
Loyalität Treudoof
Liebenswürdig Faulheit
Selbstliebe Egoismus
Emotional Dramatisch
Demut Aufmerksamkeitsgier
Durchsetzungsfähigkeit Herrisch
Wegweisend Kontrollsucht

Gib Deiner Figur aber auch mehrere kleinere Eigenheiten und Angewohnheiten, die sie einzigartig machen. Vielleicht hat sie einen Hang zum Koffein entwickelt, weil sie die Nächte durchpaukt, um ihre guten Noten zu halten. Oder sie hütet einen Vorrat an süßen Brotaufstrich, den sie seit ihrer Kindheit liebt und als Erwachsene nicht aufgegeben hat. Vielleicht durchlebt Deine Figur aber auch eine Phase, in der sie Dokumentationen über das Weltall schaut. Vielleicht hat sie einen speziellen Modegeschmack und hortet Schuhe, die sie nie anzieht.

Musst Du all diese Punkte vor dem Schreiben schon wissen und in Listen führen?
Das ist keine Voraussetzung. Nicht jeder Mensch ist der Typ für Listenschreiben und das ist in Ordnung, aber um bei den wichtigen Punkten nicht durcheinanderzukommen, würde ich es empfehlen. Lege Dir ein Notizbuch zu und sammle Ideen und Anmerkungen, um später beim Schreiben keine Missgeschicke zu produzieren. Wenn Deine Figur nämlich blonde Haare hat und 200 Seiten später ohne ersichtlichen Grund auf einmal schwarze, das willst Du nicht riskieren.

Ansonsten darfst Du Deine Figur natürlich auch erst im Schreibprozess näher kennenlernen 🙂
Das war der erste Teil des Artikel ‚Figur‘. Im nächsten werfen wir einen genauen Blick auf die Nebenfiguren und Antagonisten.

Vielen Dank für Dein Interesse, neugierige Seele, und bis zum nächsten Mal!

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