Nebenfigur

Mit ‚Nebenfigur‘ sind sämtliche Charaktere außer der Hauptfigur gemeint, also alle weiteren Menschen/Tiere/Wesen, die in der Welt Deiner Geschichte eine Rolle spielen. Hier siehst Du die Hierarchie, denn nicht jede Nebenfigur wird gleich relevant sein. Manche werden Deine Hauptfigur aktiv bagleiten, andere dagegen tauchen nur als „Statisten“ auf und brauchen nicht einmal einen Namen.

In welcher Gesellschaft und sozialer Umgebung Deine Hauptfigur lebt und agiert, bestimmt, wer ihr als Unterstützer oder als Gegner dienen wird.

Je nachdem, in welchem Genre und vor welcher Kulisse Deine Handlung passiert, werden sich diese Figuren in ihrer Erscheinung unterscheiden, ihre Zwecke und Aufgaben dagegen müssen klar sein.
Im Laufe der Zeit haben sich folgende Rollen herauskristallisiert, die wir in nahezu jeder Geschichte wiederfinden.

Im englischen Sprachgebrauch als „Sidekick“ bezeichnet, ist der Freund die rechte Hand der Hauptfigur und steht ihr in guten wie schlechten Zeiten zur Seite.
Viele dieser Gefährten kennen und lieben wir, wie etwa Sam in Herr der Ringe oder Ron und Hermine aus Harry Potter.

Hier ist es wichtig zu beachten, dass ein Freund mehr sein sollte als nur ein willenloser Diener, der die Hauptfigur bejubelt, seine Anweisungen erfüllt und ansonsten blass im Hintergrund steht.


Gib dem Freund ruhig eigene Ziele und Motivationen, die mit denen der Hauptfigur kollidieren, das macht es spannender.
In meinem Roman 8000AD ist es Allott, der Ceasar unterstützt, ihn auch mal herausfordert und zum Wachsen anregt.

Nicht jede Geschichte braucht zwangsweise eine romantische Komponente, manchmal passt es einfach nicht oder wirkt aufgesetzt. Dann lass sie besser weg.
Wenn Du Dich dennoch mit vollen Herzen dazu entschieden hast, go for it!


Das Liebesinteresse ist die Person von Interesse für Deine Hauptfigur und es gibt viele, viele Wege, die zum Ziel führen: Feinde zu Liebenden, Freunde zu Liebenden, die zweite Chance, Rivalität zu Liebenden, Vampire und Werwölfe und und und.

Beim Love Interest kommt es gelegentlich vor, dass er nur dem Zweck dient, hübsch und sexy zu sein, der Hauptfigur verführerische Worte ins Ohr zu raunen, sie gerne mal gegen irgendwelche zufälligen Wände zu drücken und ansonsten nicht mehr anzubieten hat als ein Stereotyp zu sein (der sein Hemd irgendwo verloren hat).

Noch schlimmer, wenn er der Hauptfigur sämtliche Entscheidungen abnimmt, jegliche Gefahren auf sich zieht, sodass sie nur noch tatenlos rumzustehen braucht, oder wenn das Liebesinteresse toxisch ist und das auch noch romantisiert wird.
HOW ABOUT NO!

Das kannst Du besser.
Arbeite Dein Liebesinteresse voll aus, gib ihm Ziele, Motivationen und Konflikte, gib ihm einen Entwicklungsbogen und binde ihn fest in die Handlung ein.
Beachte bitte auch, dass Deine zwei Turteltauben konkrete Gründe haben müssen, einander zu mögen. Jack und Rose in Titanic sind ein wunderbares Beispiel dafür.
Jack liebt Roses feurige Sehnsucht nach Leben, nach Abenteuern und Kunst und ihre innere Stärke. Rose liebt Jack, weil er sie sieht, wie sie ist und sie in mehrfacher Hinsicht gerettet hat. Er hat ihr ein Leben ermöglicht, wonach sie sich gesehnt hat.
So, Ladys and Gents, macht man es richtig!

Der Mentor kann in jeder Form erscheinen. Als weiser Zauberer wie etwa Dumbledore aus Harry Potter oder Lady Danbury für den Duke of Hastings Simon aus der Serie Bridgerton oder vielleicht sind es die Eltern, die sich in Fürsorge äußern und ihr Kind vor möglichen Gefahren warnen: Die Aufgabe eines Mentors ist es, den Entwicklungsbogen der Hauptfigur zu fördern, ihr die Schwächen der Lüge oder die Stärken der Wahrheit zu verdeutlichen, aber auch Erwartungen zu schüren, die tieferen Motivationen herauszuarbeiten, damit die Hauptfigur auf dem rechten Weg bleibt.

Eine beliebte Methode ist es, sobald ein Mentor genug Nutzen gebracht hat, aber zu mächtig wäre, sodass er und nicht die Hauptfigur, das Hauptproblem lösen könnte, ihn sterben zu lassen. Praktisch und oft eingesetzt, aber eben auch ein Klischee. Nicht jede Figur, die das Abzeichen eines Mentors trägt, muss sterben, also gemach. Er könnte auch in den heiklen Situationen gefangen gehalten werden, oder anderweitig verplant sein, so wie Gandalf in Herr der Ringe.

Anstatt eine neue Figur einzuführen, die außerhalb ihrer Rolle nichts weiteres zu tun hat und drohen könnte, blass auszufallen, schau Dich in der Besetzung um, die bereits existiert. Welche der Nebenfiguren dienen bereits einem relevanten Zweck und besitzen genug Erfahrung und Lebensweisheit, um Deine Haupfigur zu unterstützen?

Es kann sogar vorkommen, dass eine Figur mehrere Rollen übernimmt, zum Beispiel, dass sich der gütige und weise Mentor auf einmal als Antagonist entpuppt oder der Sidekick zum Liebesinteresse wird. Ja, die Welt der Geschichten ist eine unerschöpfliche 😉

Diese Figuren kreisen um den Protagonisten (oder Antagonisten), erfüllen wichtige Aufgaben oder geben Informationen weiter, doch weder brauchen sie eine tiefer ausgearbeitete Hintergrundgeschichte noch einen Entwicklungsbogen.

Eine Stufe tiefer kommen die Figuren, die die „Lücken“ füllen, also wenn keines der wichtigeren Charaktere diesen einen Part übernehmen dürfen. Diese tertiären leben in der näheren Umgebung der Hauptfigur, begegnen ihr ab und zu, um die Situation mit auszugestalten, doch weder brauchen sie einen Hintergrund noch unvergessliche Präsenz.

Manchmal muss eine Figur nur einmal kurz erscheinen, einem Zweck dienen und dann für nimmerwiedersehen verschwinden. Sie braucht nicht einmal einen Namen, sondern es reicht, diese Figur anhand ihrer Erscheinung zu benennen, wie zum Beispiel „die Bäckerin“ oder „der drahtige Stallknabe“.

Unabhängig von der Figur, kann im Grunde fast jeder die Rolle des Narrators spielen, also die Perspektive übernehmen, aus der die Geschichte erzählt wird. Meistens ist die Hauptfigur der Narrator, aber genausogut kann es der Deuteragonist sein wie zum Beispiel Nick Carraway aus Der große Gatsby.

Antagonist


Kommen wir nun endlich zum Antagonisten *händereib*
Es kann so viel Spaß machen, den Schurken zu schreiben. Tatsächlich gibt es viele, die sogar beliebter sind als die Hauptfigur und einfach unvergesslich bleiben.
Also, lass uns den Antagonisten kennenlernen.

Antagonismus oder der Antagonist ist das Gegenteil des Protagonismus oder des Protagonisten. Jede, und ich meine wirklich jede Geschichte, braucht eine Form von Widerstand, sei es ein konkreter Gegner, seien es die inneren Dämonen, die Naturgewalten oder eine höhere Macht.
Hier werde ich den Antagonisten als Person beschreiben, als einen festen, lebenden Körper mit funktionierenden Verstand, der ein Ziel verfolgt, das dem des Protagonisten entgegensteht.

Lange her sind die Zeiten, als der Schurke in der dunklen dunklen Ecke krauchte, in dunklen Umhängen gehüllt und dunkle Pläne flüsterte.
Die Lesenden haben heutzutage höhere Ansprüche an die Bösewichter und wir ebenso.
Wie jede andere Figur, die wir besprochen haben, gilt auch für den Antagonisten, dass er eine der drei Eigenschaften inne haben sollte: Sympathie, Kompetenz und Nützlichkeit. Wie stellen wir das sicher, fragst Du?

Er sollte Spaß haben an dem, was er tut. Es macht mehr Freude, jemanden dabei zuzusehen, wie er etwas mit Lust und Hingabe macht.

Gib ihm jemanden, um den er sich kümmert und achtet, sei es ein Partner, Kinder oder Tiere (im Film Leon-der Profi ist es eine Topfpflanze)

Mach ihn zu einem extrovertierten, enthusiastischen Typen, der es liebt, die Show anzuführen.

Gib ihm eine Hintergrundgeschichte und Motivationen, die seine Taten besser verständlich machen. Willst Du es noch eine Stufe weitertreiben, lasse seine ruchlosen Taten an die moralische Schmerzgrenze gehen und dennoch nachvollziehbar sein.

Er sollte sich weiterentwickeln, dazulernen und seine Beweggründe anpassen, das macht ihn menschlicher. Du weißt schon, Resonanz, Baby!

Und ein dreckiger Tipp: Mach ihn körperlich attraktiv.

Mach ihn klug, gebildet und immer ein paar Schritte dem Protagonisten voraus. Lass ihn mit seiner Beute spielen wie eine Katze mit der Maus. Mach ihn perfide, lass ihn Grenzen verschieben und wirklich Einfluss auf die Handlung nehmen. Je effektiver, umso mächtiger wird er.

Er kennt sich natürlich aus. Mit den Spielregeln der Gesellschaft und denen der Unterwelt. Er hat sie gelernt wie ein Meister und bricht sie wie ein Künstler. Er ist ein Profi in seinem Handwerk.

Sein Netzwerk an willigen Schergen ist breit gestreut, er weiß, wie er manipulieren und jeden für seine Zwecke einspannen kann. Die Spur seiner Vergehen ist lang und sein Ruf eilt ihm voraus.

Er erledigt die Drecksarbeit, beseitigt, reinigt. Ohne Aufhebens.

Er hat die nötigen Kontakte, um Informationen zu besorgen oder illegale Ware. Und er kennt da jemanden, der „kümmert sich um das Problem“.

Stets bis an die Zähne bewaffnet und bestens ausgebildet, falls mal ein Widerstand im Wege liegt.

Du siehst, die Möglichkeiten sind vielseitig. Natürlich hängen sie auch davon ab, zu welchem Typ Dein Antagonist gehört, denn auch da gibt es Varianten.

Typen von Antagonisten

Er dürstet nach Macht und ist bereit, alles und jeden in zerstörerische Dunkelheit zu hüllen. Über diese Burschen werden Gut-Böse-Dynamiken geschrieben. Er vereint das ultimativ Schlechte in sich und muss nicht einmal menschlicher Natur sein. Ein feuriges Auge reicht schon aus.

Er stellt das negative Endergebnis dar, das der Protagonist erreichen könnte, sollte er auf seinen Abenteuern moralisch falsch abbiegen.
Treffendes Beispiel: Lord Voldemort aus Harry Potter
Beide haben eine ähnliche Ausgangslage und nicht nur einmal fragt sich Harry, ob er böse werden könnte wie der Lord. Denn dieser ist seine dunkle Reflektion.

Einst ein heller Leitstern der Gesellschaft, ambitioniert, erfolgreich, engagiert und dann fällt er und wird zum Gegenteil. So ergeht es Harvey Dent, der zu Two-Face wurde im Film The Dark Knight.

Die Verwandschaft kann man sich bekannterweise nicht aussuchen und manchmal befindet sich der schlimmste Albtraum unter ihnen. Zum Beispiel Ödipuss aus der griechischen Mythologie, der seinen Vater ermordete und die eigene Mutter ehelichte… wat??

Nicht immer muss ein Gegenspieler mächtig oder bis aufs Blut böse sein. Es kann auch der Chef sein, der zu den unpassendsten Zeiten ins Büro reinplatzt oder eine Schülerin, die sich über die Hauptfigur lustig macht.
In der Serie Bridgerton agiert Lady Portia Featherington wiederholt gegen die Mitglieder der Familie Bridgerton, bestrebt nach finanzieller Sicherheit und dem Vermählen ihrer Töchter. Sie hat ihre eigenen Ziele und das macht sie zu einer Antagonistin.

Okay, ich hätte auch Skala schreiben können, aber dieser Titel ist lustiger.
So viele Geschichten es gibt, existieren auch viele verschiedene Gegenspieler -von abgrundtief dunklen Seelen bis hin zu Figuren, die einfach versuchen, in verzwickten Situationen ihr Ziel zu erreichen. Es muss nicht immer der klassische Kampf Weiß gegen Schwarz sein, im Gegenteil! Von den allermeisten Menschen lässt sich wohl sagen, dass sie sich irgendwo dazwischen befinden, also weder rein gut noch rein böse, sie sind grau. Sie tun Dinge, die ihnen in dem jeweiligen Moment als plausibel erscheinen und manche sind sogar bereit, Grenzen zu biegen, wenn es sie weiterbringt.

Bekannt als moralisch graue Charaktere, besitzen sie sowohl positive Seiten als auch düstere und wenn Du bestrebt bist, realistische Charaktere zu schreiben, mach sie grau. Dementsprechend gibt es auch verschiedene Schattierungen von Antagonismus, die Du ausprobieren kannst.

Ein Antagonist, dessen Beweggründe tief und menschlich sind, sodass man als Lesende trotz seiner verwerflichen Taten, Empathie und Verständnis entwickelt.

Eine Figur, die für ein gutes Ziel bereit ist, schlechte Taten zu begehen.

Diese Figur glaubt das Richtige zu tun und ist bereit, schlechte Taten zu begehen, doch in Wahrheit sind auch die Ziele unmoralisch.

Diese lieblos dahingeworfene Sorte von Villain, die nur böse Dinge tut, um böse zu sein. So machen wir es nicht.

Letztenendes kommt es darauf an, gut entwickelte Figuren mit Zielen gegenüberzustellen und schauen, was sie bereit sind, sich gegenseitig anzutun.

Du willst einen Antagonisten ins Spiel bringen, aber noch nicht gleich zu Anfang verraten? Wie wäre es, wenn keines Deiner Figuren errät, wer der wahre Schurke ist, bis er sich zum Schluss zu erkennen gibt?

Gerade in Plots mit Krimifaktor wie Detektivgeschichten, enthüllt er sich erst zum Ende, dennoch müssen wir die Figur frühzeitig einführen und viele kleine Indizien einstreuen, damit die Lesenden nachvollziehen können, warum genau diese der Antagonist ist und niemand anderes. Bis zur Auflösung müssen wir diese Figur aber verstecken. Und hier zeige ich Dir, wie.

Denn wie könnte diese supernette, hilfsbereite, engagierte und gesellige Person schlecht sein? Nun, Jeffrey Dahmer und John Wayne Gacy waren es auch.

Der imkompetente Trottel
Kennst Du den Film Scary Movie aus dem Jahr 2000? Erst ganz zum Schluss wird klar, wer hinter der weißen Maske steckt und damit hat bestimmt niemand gerechnet.
Je unauffälliger und inkompetenter eine Figur wirkt, umso weniger wahrscheinlich rückt sie ins Sichtfeld der „Ermittelnden“ und somit der Lesenden.

Manchmal steckt das Dunkle hinter einer Fassade aus Vorstadtleben, selbstgebackenen Keksen und einem einladenden Lächeln. Wer käme denn auf die Idee, dass ein älteres Pärchen in Wahrheit Monster sind?

Ein ansehnliches Äußeres täuscht immer wieder aufs Neue, deswegen, Ihr Lieben, geht nicht mit Fremden, egal wie hübsch sie auch sein mögen. Sie könnten Leichen im Keller haben.

Es kommt vor, dass bei Antagonisten nichts auffälliges in ihrer Vergangenheit passiert ist, sodass niemand auf die Idee käme, in dieser Person stecke etwas negatives -ganz im Gegenteil. Wer in einer sicheren und liebevollen Familie aufgewachsen ist, wird ja wohl kaum durch die Straßen ziehen und Passanten angreifen. Kann aber passieren.

Diese Methode macht etwas mehr Arbeit, denn Du musst sowohl Spuren für eine offensichtlich verdächtige Figur legen Red Herings als auch subtile für den wahren Täter, aber dafür wird die Auflösung umso überraschender und lohnender für die Lesenden.

Wer stets mit Rat und Tat zur Seite steht, der wird wohl kaum als Antagonist auffallen. Verstecke ihn hinter einem Schleier aus Hilfsbereitschaft oder mache ihn zum Mentor, das erwartet niemand.

Einem Mitglied aus der eigenen Verwandtschaft wird man am aller wenigsten misstrauen. Verstecke Deinen Antagonisten so nah wie möglich am Herzen Deiner Hauptfigur, denn da erwartet sie Verrat am geringsten.

Somit endet der zweite Teil des Artikels ‚Figur‘. Im dritten zeige ich Dir die drei Entwicklungsbögen, mit denen Du Deine Figuren zum Wachsen anregst und auch, wie tief sie fallen können mithilfe der verschiedenen Typen von Toden und den unverzeihlichen Sünden.

Vielen Dank für Dein Interesse, neugierige Seele, bis zum nächsten Teil XD

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