Was bringt Menschen dazu, eine Geschichte aufzuschlagen, die sie erschaudern und fürchten lässt? Denn das Genre des Horrors tut genau das -die schlimmsten Urängste hervorkitzeln und mit ihnen spielen. Ob Du einen klassischen Schocker bevorzugst oder psychologischen: Mache Dich darauf gefasst, in Abgründe einzutauchen.
Horror lebt von subtilen Andeutungen, von Geheimnissen, von dem Auskundschaften der hintersten Ecken der menschlichen Psychologie, da, wo Sinn und Logik nicht mehr hinreichen. Und sie lebt von Deiner Fantasie. Wenn der Verstand ungewollt Bilder erzeugt und sogar das heimelige Schlafzimmer sich auf einmal nicht mehr sicher anfühlt.
Anders als im Krimi, bei dem es darum geht, ein Verbrechen aufzulösen, oder dem Thriller, wo besagtes verhindert werden muss, dreht sich der Horror darum, dem Unmöglichen ins Auge zu blicken und all die scheußlichen Emotionen zu durchleben. Beim Horror liegt der Schwerpunkt nicht darauf, Ordnung und Gerechtigkeit im rechtlichen Sinne herzustellen, sondern eher, einen Fehler aus der Vergangenheit zu bereinigen, um das Monster/den Antagonisten zu besänftigen. Oder einfach zu überleben.
Je nachdem, welches Subgenre Du wählst, werden die Werkzeuge und Methoden variieren, mit denen Du Angst und Unwohlsein erzeugst. Das Ziel aber bleibt gleich: Deinen Lesenden den Atem rauben!
Subgenres Horror
Gothic Horror
Vampire, Werwölfe und Frankensteins Monster sind klassische Gestalten in diesem Subgenre.
Graveyard Horror
Das Thema dreht sich um den Friedhof und den Tod.
Monster
Monster und Totgeglaubte kriechen aus ihren Verstecken.
Paranomaler Horror
Die Figuren werden heimgesucht -meist von Geistern, Flüchen, Hexen oder Dämonen.
Psychologischer Horror
Subtil und geschickt werden grauenvolle Fantasien in den Köpfen der Lesenden geweckt.
Slasher
Meistens sind es Teenager, die von Axtmördern oder seltsamen Kreaturen gejagt werden.
Splatter
Hier fliegen Blut und Körperteile durch die Luft.

Die Hauptfigur
Sie könnte eine ganz durchschnittliche Person sein, so wie Du und ich, was die Identifizierung leichter macht.
Oder Deine Hauptfigur handelt im Namen eines bestimmten Amtes wie der Kirche (wenn es um Dämonenaustreibung geht).
Oder sie glaubt, einem gewöhnlichen Beruf nachzugehen, bei dem nichts schief gehen kann (zum Beispiel in einem Leichenschauhaus)
Auch wenn es Ausnahmen gibt, ein großer Teil der Protagonisten in Horrorgeschichten sind normale Leute, die einfach nur das Pech haben, in eine Situation rein zu schlittern, die sie nicht für möglich gehalten hätten.
Das hat einen Grund. Je realitätsnäher und durchschnittlicher die Ausgangssituation, umso erschreckender wird die darauffolgende Handlung.
Gründe oder Motivationen Deiner Hauptfigur sind häufig ein Umzug an einen neuen Ort, oder Neugierde auf ein unbekanntes Objekt, oder sie müssen einfach einen Job erledigen.
Achte darauf, dass Deine Figur in ihrem Charakter, in ihren Fähigkeiten und auch in ihren Lebensumständen zum Plot passen.
Ich meine, sie könnte zum Beispiel eine überstrapazierte Mutter sein, mit zwei Kindern, von denen das jüngere bereits Anzeichen von Verhaltensauffälligkeiten zeigt und später womöglich von einem Geist besessen sein wird.
Lass Deine Figuren bereits Teil der gruseligen Atmosphäre sein, nicht bloß Statisten, die darauf warten, gejagt zu werden.
Und lass ihre Hintergrundgeschichten sich mit dem Hauptkonflikt verweben.
Das Monster/der Antagonist
Je nach Subgenre kann sich der Antagonist in unterschiedlichen Formen zeigen, sei es als klassisches Monster, ein Mensch mit gestörter Psyche oder etwas ungreifbares wie Geister und Dämonen, die sich der Figuren bemächtigen.
Worum es aber wirklich geht, ist die Gefahr und die damit verbundenen Gefühle, die Dein Antagonist mit sich bringt.
Und damit sich diese Gefühle ausbreiten und ihre Wirkung entfalten können, spiele mit den Vorahnungen der Lesenden.
Anstatt ihn zu früh in Erscheinung treten zu lassen, verstecke ihn so lange wie möglich und lasse stattdessen Bilder in den Köpfen der Lesenden erwachen.
Verrate, woher er kommt, was er tut und wie stark er ist. Lass die Figuren alleine bei der Erwähnung seines Namens Gänsehaut bekommen.
Betone, dass der Antagonist deutlich mächtiger und gefährlicher ist als Deine Hauptfigur, sodass ein Sieg oder das nackte Überleben unwahrscheinlich werden.
Und ganz wichtig: Das, was den Antagonisten antreibt, liegt fern von Vernunft und Anstand. Es sind negative Emotionen wie Groll oder Rache oder schlicht der Hunger nach Fleisch.
Gib dem Antagonisten nachvollziehbare Gründe, aber mache seine Handlungen irrational.
Zwielichtige Nebencharaktere
Was wäre eine Horrorgeschichte ohne ein paar armen Leuten, die dem Monster zum Opfer fallen? Oder die bereit sind, Deine Hauptfigur zu verraten, um ihr eigenes Leben zu retten. Oder die Informationen und Hintergründe teilen.
Es müssen nicht viele Nebencharaktere sein, aber genug, um den Schrecken zu illustrieren und hohe Einsätze zu verdeutlichen.
Diese Figuren könnten Familienmitglieder oder Freunde sein, die sich später gegen Deinen Protagonisten stellen. Oder hilfsbereite Gasthausbetreiber mit Geschichten über alte Flüche.
Wichtig ist, auch wenn sie der Hauptfigur auf den ersten Blick nahe stehen, nicht alle bleiben auch bis zum Schluss loyal. Menschen sind manipulierbar, wechseln ihre Seiten oder geraten in Wahnsinn. Die menschliche Psyche ist ein bodenloser Brunnen für Grausamkeit.
Eine Sünde/die düstere Vergangenheit
Jeder Wirkung liegt eine Ursache zugrunde. Sobald Deine Hauptfigur mit dem Antagonisten in Berührung kommt, der so ganz anders ist als alles zuvor erlebte, wird sie wissen wollen, woher dieser kommt.
Häufig erfährt sie dann von einem Fluch, von uralten Mächten, einer Sünde oder eine familäre Tragödie könnte dazu geführt haben, dass negative Emotionen oder psychische Verzerrungen sich manifestiert haben.
Nicht immer müssen diese mit der Geschichte der Hauptfigur zusammenfallen, aber spannender wird es, wenn die Hauptfigur und ihre persönliche Vergangenheit damit verwickelt ist.
So oder so: In der Hintergrundgeschichte liegt auch der Schlüssel zur Lösung versteckt. Nur wenn Deine Hauptfigur das Gift kennt, findet sie das Gegengift.
Das Setting
Klassischerweise ein altes Familienanwesen zu einem besonders günstigen Preis und einem „Problemchen“, das der Immobilienmakler für Geschwätz hält und die Dorfbewohner zusammenzucken lässt. Kommt Dir bekannt vor?
Wie wäre es mit etwas anderem? Einem Brunnen zum Beispiel, einer Höhle oder Erdgrube, um klaustrophobische Enge zu erzeugen.
Oder einem verlassenen Sanatorium aus dem 19. Jahrhundert. Oder einem Wald, in den Wanderer zwar reingehen aber nie wieder herauskommen.
Oder ein überfülltes Gefängnis mit unwürdigen Bedingungen, in dem die Häftlinge mit ihren Nerven so durch sind, dass sie bereit sind, sich gegenseitig in Stücke zu reißen.
Du siehst, die Möglichkeiten sind zahlreich und mit Recherche schnell ausfindig zu machen. Worauf es ankommt, ist, dass der Ort Deiner Wahl zur Gefahr, zum Hauptkonflikt und zur Atmosphäre beiträgt, und eine gewisse eigene Geschichte mitbringt.
Manchmal kann aber auch die Gesellschaft, in der man sich befindet, zum Horror werden. Setting muss nicht immer im räumlichen Sinne verstanden werden.
Hohe Einsätze
Mit einem hohen Einsatz muss nicht immer der physische Tod gemeint sein. Klar, kann es, aber das ist nicht die einzige Option.
Für manche Figuren könnte es schlimmer sein, wenn sie sich nicht mehr auf ihren Verstand verlassen können oder erkennen, dass das, was sie immer über sich selbst oder die Welt zu wissen glaubten, falsch ist.
Oder sie legen großen Wert auf einen bestimmten Aspekt und müssen, um zu überleben, genau diesen verraten.
Gebildete, kluge Figuren könnten in Wahnsinn verfallen. Fürsorgliche könnten ein wichtiges Mitglied aus ihrem Leben opfern.
Einsatz bedeutet auch, dass man sich selbst verliert oder eine geschätzte Eigenschaft an sich.
Wenn Du mehr über die vier Tode erfahren willst, schau hier.
Spannung
Eines der Hauptzutaten für einen guten ‚Schocker’ ist die Spannung.
Wie Du sie aufbaust und nutzt, zeige ich Dir.
Erzähltempo
Nutze langsames Tempo, um Andeutungen zu säen, was später passieren könnte. Dadurch werden Erwartungen in unerträgliche Länge gezogen und die Nerven der Lesenden umso mehr strapaziert.
Schnelles Tempo erzeugt Action, Chaos, Dringlichkeit und Kontrollverlust. Und das ist das letzte, was Deine Hauptfigur will, wenn sie von einem Monster attackiert wird. Bring sie durch plötzliche, schnelle Sequenzen an den Rand der Verzweiflung.
Informationsmenge
Anstatt das Monster zu zeigen oder zu erklären, reduziere die Informationsmege auf ein Minimum und lass Deine Hauptfigur bei jedem Knacken, das es macht, zusammenzucken. Lass Deine Figur wild mit der Taschenlampe suchen, woher das Geräusch kommt und lass sie in Panik geraten, wenn sie hinter sich ein Atmen hört.
Merke Dir: Schlechter Horror versucht durch das Sichtbare zu schockieren.
Guter Horror spielt mit Deiner Unwissenheit.
Zögere das Erscheinen des Monsters so lange wie möglich heraus, am besten bis nach der Mitte oder sogar bis zum letzten Akt, wenn die Auflösung beginnt.
Sensorische Details
Menschen, die in erster Linie auf ihre fünf Sinne vertrauen und nur glauben, was sie sehen, haben folgendes Problem: Da draußen gibt es mehr.
Auch viele Hauptfiguren in Horrorgeschichten steigen mit der Selbstsicherheit ein, zu wissen, wie die Welt funktioniert. Doch dann sehen sie Dinge, hören sie Dinge, spüren sie Dinge.
Lass Deine Hauptfigur an ihren eigenen Sinnen zweifeln, indem Du ihr Erlebnisse bescherst, die sie nicht erklären kann. Weil sie eigentlich nicht passieren können.
Zum Beispiel eine geschlossene Tür, die ohne fremdes Zutun einfach aufschwingt.
Oder wenn fremdartige Geräusche aus dem Babyfon dringen, obwohl niemand im Kinderzimmer ist. Oder Deine Hauptfigur spürt eine Anwesenheit im Raum, eine Kälte in der Ecke, obwohl da nichts ist.
Mach die fünf Sinne zu einem Feind Deiner Hauptfigur.
Zeitdruck
Eine klassische Technik, um Spannung zu erzeugen.
Stell Dir vor, Deine Hauptfigur flieht vor dem Monster, zum Beispiel in einem Wald. Sie stolpert und fällt und ein grässlicher Schmerz verrät ihr, dass ihr Fuß in eine Bärenfalle getappt ist und Deine Figur nun festhängt. Das Monster nähert sich.
Deine Figur versucht, die metallischen Zähne auseinander zu ziehen und einen Stein dazwischen zu klemmen, um ihren Fuß herauszuziehen. Doch es gelingt ihr nur mit Mühe, mit viel Schmerz und die Zähne ziehen sich immer wieder zusammen.
Das Monster ist bereits zu hören und zwischen den Bäumen zu erahnen.
Deine Hauptfigur gerät in Panik. Ihre Bewegungen werden hektischer, ihre Versuche, zu entkommen, misslingen. Das Monster hat sie eingeholt und stapft nun mit schweren Schritten und offenem Maul, aus dem die blutigen Reste seines letzten Opfers tropfen, Deiner Hauptfigur entgegen, um auch sie zu fressen.
Sie wird sich nicht mehr rechtzeitig befreien können, also streckt sie sich zu ihrem Gewehr, das ein Stück weiter liegt, doch ihre Fingerspitzen können den Lauf nur berühren, nicht greifen.
Wird sie im letzten Moment noch ihr Leben retten können?
Das, Ladys und Gents, ist Zeitdruck.
Angst
Das Herzstück und der Grund, warum Lesende zu Horrorgeschichten greifen, ist das gepflegte Erschauern. Während man gemütlich im Bett liegt, verlässt man seine emotionale Komfortzone und steigt in Welten ein, die man selbst niemals auch nur in Erwähnung ziehen würde.
Wie erreichst Du das?
Verdrehe Vertrautes. Verzerre Bekanntes. Hinterfrage Etabliertes.
Nimm ein einfaches Element aus dem alltäglichen Leben, etwas wirklich harmloses. Zum Beispiel schaut Deine Hauptfigur in einen Spiegel. Doch ihr Gesicht ist verwaschen und völlig unkenntlich. Wie wegradiert.
Was wirklich Angst macht, sind nicht unbedingt die großen Dinge. Eine Katastrophe im Fernsehen zu sehen, macht auch Angst, aber sie ist unpersönlich.
Wenn Du aber etwas nimmst, das Deine Figur in ihrem Kern erschüttert, ihre Identität, wie etwa in Form ihres eigenen Gesichtes -das trifft bis ins Mark.
Mache Angst persönlich.

Planen wir eine Horror-Story
Diese Schlüsselszenen sollen Dich dabei unterstützen, die wichtigen Meilensteine in Deiner Geschichte zu setzen, damit Du eine starke und funktionierende Struktur hast, auf der Du Deinen Schocker aufbauen kannst.
Das Monster greift an
Diese Szene geschieht entweder direkt zu Anfang im Sinne, den Lesenden mit einem Haken zu ködern, oder aber der erste Angriff fällt auf den Auslösenden Vorfall an der 12%-Marke. Ab da beginnen für Deine Figur die Probleme.
Es könnte passieren, dass nicht Deine Figur diesen Angriff erlebt, sondern erst später davon erfährt, oder sie selbst beschwört das Monster herauf, das sie daraufhin verfolgt und erst wieder Ruhe gibt, wenn dieser Fehler behoben wurde.
Wichtig ist, dass Deine Figur in einer bestimmten Weise mit diesem Monster verbunden ist, sei es durch die Vergangenheit, durch das Setting oder persönliche Umstände.
Deine Hauptfigur ignoriert den Angriff
Sie wird erst einmal so tun, als ob das erste unheimliche Geschehnis nur Zufall war oder nichts zu bedeuten hat und wird ihn mit logischen Erklärungen abtun.
>>Monster und Geister gibt es nicht, das war sicher nur der Wind oder eine Katze.<< Deine Figur klammert sich an ihr bisheriges Wissen und ihre Lebensansichten. Das ist wichtig, denn je mehr sie dies tut, umso unheimlicher und unerklärlicher werden die darauffolgenden Ereignisse für sie werden.
Die wahre Natur des Monsters
Weitere seltsame Dinge passieren und allmählich glaubt Deine Figur nicht mehr an Zufälle. Sie erkundigt sich über die Geschichte des Ortes oder einer bestimmten Person. Doch noch fühlt sie sich von der Situation nicht persönlich angesprochen.
Deine Hauptfigur wird zum Opfer
Das Monster greift erneut an und dieses Mal entkommt Deine Figur nur knapp mit dem Leben. Die Einsätze sind nun definitiv persönlich geworden.
Auch die Hintergründe scheinen sich immer weiter mit der eigenen Geschichte zu verwickeln. Deine Figur erkennt, dass sie in Wahrheit in tief drin sitzt in diesem Horror und nicht so einfach herauskommt, bevor sie sich nicht dem Hauptkonflikt stellt.
Deine Hauptfigur ist dem Monster ausgeliefert
Sie ergreift Maßnahmen, um aus dem Schlamassel herauszukommen, doch jede ihrer Handlungen treibt sie dem Monster und seinen Angriffen näher. Sie kann nun nicht mehr entkommen und ihre Zeit rinnt ab.
Deine Hauptfigur entkommt
Im letzten Moment begreift Deine Figur, wie die Lösung aussehen soll. Mit ihrem Verstand, durch ein großes Opfer oder vielleicht durch gemeinsame Kraft mit anderen, kann Deine Figur das Monster besiegen oder ihm entfliehen.
Das war der Artikel über Horror. Ich freue mich, wenn ich Dir ein paar schaurige Tipps mit auf den Weg geben konnte. Das nächste Mal wird es fantastisch!
Vielen Dank für Dein Interesse, neugierige Seele 😀



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