Da Romantik aus sehr vielen Aspekten besteht, teile ich den Artikel in zwei Teile.
Im ersten zeige ich Dir die unterschiedlichen Arten und Facetten, was Du an Zutaten brauchen wirst und natürlich die sechs Schlüsselszenen, um eine funktionierende Struktur zu bauen.

Das Romantik-Genre

Bevor ich näher eingehe, gilt zuallererst eine Frage zu klären: Was ist der Unterschied zwischen einer Romanze und einer Liebesgeschichte? Auch wenn die beiden Begriffe wie Synonyme klingen, sind sie nicht gleich zu behandeln.

In der Romanze steht die Liebe zwischen den Figuren im Mittelpunkt, wobei die Rollenbilder hier häufig noch klassisch geprägt sind und ein Happy End üblich ist.
Zum Beispiel die Twilight-Saga. Denn obwohl sie in der paranormalen Fantasy angesiedelt ist, dreht sich die Handlung in erster Linie um die Liebe zwischen Bella und Edward, die dann heiraten und Eltern werden. Fifty Shades of Grey fällt auch in diese Sparte.

In der Liebesgeschichte steht die Liebe am Rande oder im Subplot und endet nicht immer mit einem Happy End. Die Rollenbilder sind öfters dem modernen Zeitbild angepasst.
Die Tribute von Panem-Serie ist ein Beispiel, denn obwohl die Beziehung zwischen Katniss und Peeta relevant ist, stehen die Spiele, Konflikte und die Rebellion im Vordergrund.
Außerdem erkennen wir auch, dass Katniss nicht dem sittsamen, devoten Stereotyp einer Partnerin entspricht, nein, sie kämpft!

Ein großartiger Vorteil der Romantik ist, dass sie sich mit nahezu jedem anderen Genre verbinden lässt, um eine Handlungsvorlage mit Zielen und Konflikten zu schaffen.

Es ist die „obere“ Handlung, die läuft, während sich das wahre Geschehen, also das Kennenlernen der Figuren, ihre Annäherung und das Verlieben sich „darunter“ abspielt.
Als Beispiel nehme ich Stolz und Vorurteil von Jane Austen.
Elisabeth sagt zu Beginn, dass sie einen Mann nicht nach seinen Worten beurteilen wird, sondern nur nach seinen Taten.

Dann rückt in den Vordergrund, wie Jane und Mr Bingley sich näherkommen, doch durch Darcys Eingreifen ihre zarte Bande zerreißt.
Auch der Besuch bei der inzwischen verheirateten Freundin Charlotte dient als Vorwand dazu, dass Elisabeth und Mr Darcy sich wiedersehen und die Gelegenheit haben, sich ein wenig besser kennenzulernen.
Und ganz wichtig, das Durchbrennen von Lydia und Wickham.
Dass Mr Darcy sie aufsucht, ihre Hochzeit bezahlt und die Familie Bennet ihre jüngste Tochter zurückbekommt, überzeugt Elisabeth endgültig von seinem Charakter.

Mal angenommen, Stolz und Vorurteil wäre ohne eine Vorlage erzählt worden und es ginge die ganze Zeit darum, dass sich die beiden Protagonisten miteinander unterhielten und Blicke austauschten. Es wäre langatmig, kitschig und fade geworden.

Oder denke an Elenor Dashwood aus Verstand und Gefühl von Jane Austen.
Sie verliebt sich in Edward Ferrars, doch stellt kurz danach fest, er ist bereits längst verlobt, was ein schwerer Schlag für sie ist.
Während ihre Schwester Marianne Hoffnungen in John Willoughby setzt und dann in Trennungsschmerz zerfließt und während Fanny, die Edwards Verlobte und Liebesrivalin für Elinor, schwärmt, ihren Edward baldigst wiederzusehen und seine Familie kennenzulernen, unterdrückt Elinor ihre Gefühle und leidet im Stillen.
Anstatt dramatisch zu reagieren wie ihre Schwester, setzt Elinor auf Vernunft und Verstand.

Elinors stille Stärke ist die wahre Handlung, Marianne und Fanny bilden die Vorlage im Sittengenre des 19. Jahrhunderts.

Suche Dir also ein cooles Genre aus, das Dir dienen wird, Spannung, ein interessantes Worldbuilding und Konflikte zu kreieren und webe ein, wie sich Deine Figuren zum ersten Mal begegnen, sich miteinander streiten und küssen und sich gemeinsam entwickeln.

Apropos, dreht sich denn jede Romantikgeschichte ums Kennenlernen und Zusammenkommen?
Nun, Balz macht tatsächlich den größten Anteil aus, aber genau genommen gibt es drei Arten in der Romantik.

Balz
Die meisten Liebesgeschichten drehen sich um das Kennenlernen, um das Verlieben, ums Werben und ums einander Verpflichten, verbunden mit einem Happy End.
Beispiel: Stolz und Vorurteil

Obsession
Hier dreht sich die Handlung um die Frage, ob die Leidenschaft und Besessenheit, die beide Figuren füreinander empfinden, sie in den Ruin treibt. Das Ende geht selten gut aus. Bestes Beispiel: Romeo und Julia

Intimität
Wahrhaftigkeit und Treue stehen im Mittelpunkt. Die Geschichte endet normalerweise ebenfalls mit einem Happy End. Die Figuren kennen sich bereits und die Frage, um die sich die Handlung dreht, ist, bleiben sie zusammen und sich treu oder zerbricht ihre Beziehung unter der Last der Konflikte?

Subgenres

Es gibt noch ein paar mehr, aber hier bekommst du eine Auswahl der beliebtesten Subgenres.

Erotische Romane
Sexuelle Handlungen in all ihren Details spielen einen wichtigen Bestandteil.

Gay Romance
Gleichgeschlechtliche Liebe ist Mittelpunkt der Geschichte.

Love and Landscape (auch: Lovescape oder L&L)
Tropische Inseln, malerische Städte oder idyllische Landschaften dienen als Kulisse.

Paranormale Liebesromane (auch: Paranormal Romance)
Ob Vampire, Werwölfe oder Engel -eine oder beide der Protagonisten besitzen übernatürliche Eigenschaften.

Regency Romance
Als soziales Setting dienen Adelskreise.

Romantic Suspense
In diesem Fall verwickelt sich eine Liebesgeschichte mit einem Kriminalfall.

Romantikthriller
Liebesgeschichte küsst Thriller.

Zeitreisen
Die Verliebten leben in unterschiedlichen Epochen.


Der Schärfegrad


Zuneigung und Begehren liegen oft Hand in Hand mit körperlichem Ausdruck.
Überlege Dir vor dem Schreiben genau, welche Zielgruppe an Lesenden Du bedienen willst und entscheide dann, wie viel und wie grafisch gezeigt Deine Liebesszenen ausfallen sollten.

Dieses Level geht nicht übers Küssen und Händchenhalten hinaus. Für gewöhnlich in Teen-Romanzen und Young Adult anzutreffen.

Sex kommt zwar zur Sprache, wird aber nicht im Detail beschrieben. Das meiste passiert „außerhalb“ der Szene.

Hier wird ‚Liebe gemacht‘. Die Szene wird nicht im Detail gezeigt, sondern blumig umschrieben. Hier spielen Zärtlichkeit und das Teilen der Emotionen die Hauptrolle.

Es wird heiß! Der Akt wird im Detail beschrieben und gezeigt, wobei die Figuren nicht unbedingt ineinander verliebt sein müssen oder einander verpflichtet. Hier geht es in erster Linie um das Abenteuer.

Das Endlevel. Fifty Shades of Grey ist hier angesiedelt. Der Sex ist lang, hart und sehr detailreich. Und davon viel.


Romantik-Zutaten

Du weißt nun, wie Du Deine Geschichte einordnen kannst. Lass uns anfangen, sie vorzubereiten.
Romantik lebt und atmet mehr als die meisten anderen Genres durch seine Figuren -sie ist charaktergetrieben. Umso wichtiger ist es, dass Deine Protagonisten, Liebesinteressen und Nebenfiguren gut durchdacht und ausführlich entwickelt werden. Welche genau braucht Deine Story?

Ob weiblich, männlich oder divers, wähle eine Hauptfigur, mit der sich Deine Lesenden gut identifizieren können. Sie sollte nicht bloß als eine Hälfte eines Paares funktionieren, sondern in erster Linie eine voll ausgearbeitete Persönlichkeit sein.

Gib ihr ein eigenes Leben, ein soziales Netzwerk, mit der sie auch außerhalb der Beziehung interagieren kann. Gib ihr ein Ziel, innere Konflikte, Stärken und Schwächen. Alles, was eine eigenständige Figur ausmacht. Und gib ihr Eigenschaften, die es definitiv wert sind, sich in sie zu verlieben. (Zeige sie!) Und ich meine nicht nur ein hübsches Äußeres. Schönheit und Attraktivität als einzige Merkmale lassen sie schnell langweilig und oberflächlich erscheinen.

Deine Hauptfigur sollte etwas besitzen, dass dem Liebesinteresse fehlt und das Liebesinteresse sollte ebenfalls etwas haben, das der Hauptfigur fehlt, sodass die beiden echte Gründe haben, Interesse aneinander zu erwecken.
Genau, gib ihnen gute Gründe, warum sie als Persönlichkeiten ergründenswert füreinander sein können. Lass sie sich ergänzen, lass sie sich herausfordern und voneinander lernen. Liebe bedeutet nicht, einander anzuschauen, sondern in dieselbe Richtung zu blicken.

Was ich über die Hauptfigur geschrieben habe, gilt auch für das Liebesinteresse. Er sollte eine eigenständige Persönlichkeit sein und nicht nur einem Stereotyp entsprechen, der gerade gut genug ist, um angeschmachtet zu werden.

Gib ihm einen eigenen Entwicklungsbogen, sodass er sich im Laufe der Geschichte entwickeln und wachsen kann, was ihn lebendiger und interessanter macht.

Was mich persönlich beschäftigt, ist ein beunruhigender Trend, der sich seit Jahren durch das Genre zieht, nämlich das Romantisieren von toxischer Männlichkeit/toxischen Verhaltensmustern in der Partnerschaft.

Ich will mich hier kurzfassen: Dominanz, Kontrolle, Unterdrückung, Zwang, Isolierung, Manipulation, Lügen, Stalking, körperliche Gewalt, Drohungen, Ausbeutung, Gaslighting sind niemals Zeichen von Liebe. Niemals! Diese Handlungen haben nichts mit Respekt und Wertschätzung gegenüber dem Partner zu tun und dürfen in keinem Fall verharmlost oder gar romantisiert werden.

Vielen Tragödien (ich meine Femiziden) gehen diese Taten voraus. Wenn also unreflektiert über solche Themen geschrieben wird und sie als Teil einer gesunden Beziehung dargestellt werden, oder als „kleine Schwächen, weil niemand perfekt ist und er ist ja so ein Bad Boy“ versteckt, fließen sie in die Medien ein.

Bücher machen einen relevanten Teil der Medienlandschaft aus und prägen somit auch das Denken und die Ansichten der Gesellschaft mit. Vor allem junge und unreife Lesenden lernen dadurch, bestimmte Red Flags nicht zu erkennen und schädliche Verhaltensmuster falsch zu intepretieren.

Was ich sagen will, ist, auch als Schreibende tragen wir eine gewisse Verantwortung mit.

Du willst dennoch einen dunklen, grüblerischen Bad Boy in Deine Geschichte integrieren? Dann verwickle ihn in einen gefährlichen oder kritischen Konflikt oder lass ihn „schwer zu kriegen sein“. Er muss weder toxisch noch kriminell sein, da gibt es andere Möglichkeiten.

Dies sind Nebenfiguren (eine oder mehrere), die die potenzielle Beziehung der beiden Turteltauben unterstützen. Dies könnte aus Zuneigung, Fürsorge, aber auch aus Gründen wie gesellschaftlichen Drucks passieren oder weil dies konkret mit dem Hauptziel der Geschichte zusammenhängt.
In der Serie Bridgerton ist Violet, Daphnes Mutter, die Befürworterin der aufkeimenden Liebe zwischen Daphne und Simon.

Natürlich darf auch ein Kritiker nicht fehlen. Diese Figur sieht die negativen Aspekte der potenziellen Beziehung oder eine Gefahr, die damit einhergeht. Der Dagegensprecher könnte eine antagonistische Kraft sein, die dem Paar Steine in den Weg legt oder schlicht eine Nebenfigur, die das Techtelmechtel objektiv betrachtet und damit verbundene Schwächen erkennt.

Bevor sich Hauptfigur und Liebesinteresse für immer einander versprechen können (oder je nachdem, was Du planst), gilt es, einen großen Konflikt zu lösen.
Sei dieser in Form eines nervigen Feuerauges der Fall, oder ein bevorstehender Krieg, oder die eigene Familie oder ein Haufen hungriger Drachen -hier kannst Du Dich austoben und Deine Romanze mit einem coolen Genre auf die nächste Stufe bringen.

Ein wertvolles Werkzeug, um die beiden Figuren dazu zu bringen, mehr Zeit miteinander zu verbringen, damit sie sich kennenlernen und die ersten zarten Gefühle keimen. Sei es durch ein hartes Trainingsprogramm, bei dem der eine dem anderen hilft, seine Leistungen zu verbessern, oder die beiden stecken in einem Zelt auf einem zugeschneiten Berg fest. Oder sie müssen sich immer mal wieder auf gesellschaftlichen Anlässen begegnen und tanzen zusammen -ja, Du merkst, da steckt viel Potenzial drin 🙂

Romanze plotten

Woran merkst Du, dass es sich bei Deiner Geschichte um eine Romanze oder um eine Liebesgeschichte handelt?

Bei einer Romanze, bei der die Liebe im Mittelpunkt steht, fallen die wichtigen Meilensteine der Liebe auf die großen Handlungspunkte, die die Struktur bilden.

Spielt sich die Liebesgeschichte am Rande oder in einem Subplot ab, ist ein anderer Handlungsstrang das Herz der Geschichte und somit fallen dessen Meilensteine auf die Handlungspunkte, die die Struktur bilden.

Aber da sich dieser Artikel um die Liebe dreht, zeige ich Dir den Plot für die Romanze in Form der Balz.

Das Meeting Cute oder Meet Cute beschreibt die erste Begegnung zwischen Hauptfigur und Liebesinteresse. In konventionellen Storys fällt dieses Ereignis auf den Auslösenden Vorfall an der 12%-Marke. Dies ist aber keine Pflicht, häufig treffen sie sich auch schon früher. So oder so, Du hast die Wahl zwischen drei Arten dieser Begegnung.

Sympathie auf den ersten Blick

Auch bekannt als die Trope Insta-Love, bei der die Liebe schon vom ersten Moment an entfacht. Realistischer aber (und spannender), ist Sympathie auf den ersten Blick.

Feinde auf den ersten Blick

Hier passiert das Gegenteil, die beiden erleben einen negativen ersten Eindruck voneinander, was Abneigung auslöst.

Einseitige Gefühle

Nur einer der beiden Figuren erlebt Sympathie auf den ersten Blick, die andere bleibt neutral und wird länger brauchen, um Zuneigung zu entwickeln.

Unkomplizierte Begegnung

Die erste Begegnung fällt mit einem bestimmten Ereignis zusammen, das entweder als angenehm, peinlich oder stressig durch die Figuren erlebt wird. Besonders häufig zu beobachten in Komödien.

Dies könnte ein Kuss sein, ‚das erste Mal‘ oder es könnte die erste emotionale Öffnung sein. Vielleicht erkennt Deine Figur auch, dass sie sich sicher und geborgen an der Seite des potenziellen Partners fühlen kann.
Intimität hat viele Gesichter und sollte sorgfältig nach den Bedürfnissen Deiner Figuren gewählt werden.

Für gewöhnlich fällt dieses Ereignis auf die 50%-Marke, also in die Mitte.
Deine Hauptfigur ist sich nun endgültig bewusst, wo ihre Gefühle stehen und sie möchte diese endlich vermitteln.

Liebe und Zuneigung wird von jedem Menschen anders gezeigt. Manche drücken sich verbal aus, andere durch Geschenke, wiederum andere durch gemeinsame Zeit oder durch praktisches Handeln oder durch Körperkontakt.
Man spricht dann von den Fünf Sprachen der Liebe, die durch den amerikanischen Paar -und Beziehungsberater Gary Chapman geprägt wurden.

Überlege Dir, welche Liebesprachen am besten zu Deinen Figuren passen und wie sie sich am liebsten mitteilen. Nicht immer muss es ein >>Ich liebe Dich!<< sein. Du hast viel mehr Möglichkeiten zur Auswahl.
In Stolz und Vorurteil zeigt Mr Darcy seine Zuneigung zu Elisabeth, indem er aktiv dafür sorgt, dass Lydia, die mit Wickham durchgebrannt war, heiratet und somit keine Schande über die Familie Bennet bringt. Mr Darcy hat seine Liebe durch Handeln offenbart 😀

Der tiefste Punkt in der Geschichte ereignet sich normalerweise an der 75%-Marke. Was auch immer die beiden Liebenden auseinandergehalten hat, feiert nun seinen größten Sieg und alles sieht danach aus, dass eine Beziehung unmöglich scheint.

Was ist der ultimative Beweis für die Liebe?
Für viele ein Opfer oder ein waghalsiger Einsatz. Beim alles entscheidenden Höhepunkt zeigt sich, dass der Liebesbeweis nicht nur ein Luftkuss gewesen ist, sondern was die Hauptfigur bereit ist, für ihr Liebesinteresse zu geben.

Je nachdem, ob ein positives Ende bevorsteht oder ein negatives, finden die Liebenden einen Weg, ihre Leben gemeinsam zu genießen oder gehen getrennte Wege. Unterschieden wird zwischen
Happy ever after (HEA)= also für immer und ewig im Glück vereint
Happy for now (HFN)= die Beziehung passt für den Moment
No Happy End (NHE)= kein glückliches Ende

Das war der erste Teil des Artikels über Romantik.
Ich hoffe, ich konnte Dir wertvolle Tipps mitgeben und würde mich freuen, wenn Du auch den nächsten Teil ließt.

Vielen Dank für Dein Interesse, neugierige Seele 🙂

Hinterlasse einen Kommentar