Im Laufe der Zeit haben sich viele Tropen gebildet, die Romantik in all ihre verwirrenden und amüsanten Möglichkeiten aufspalten, zwei Menschen zusammenzubringen. Sei es extra langsam, um den Genuss der kleinen Momente zu verlängern oder in Form von verbotener Liebe, deren Reiz in der Spannung steckt.
Zuerst stelle ich Dir sieben der beliebtesten Tropen vor und zeige Dir, wie du sie für Dich nutzen kannst. Und danach, wie Anziehung funktioniert.

Bevor wir starten, eine Anmerkung. Tropen sind nur ein Mittel, um Deine Geschichte zu unterstützen. Konzentriere Dich in erster Linie auf Deine Idee und baue sie aus. Schaue erst danach, ob und welche Trope dazu passen könnte. So verhinderst Du, zu schablonenhaft zu schreiben und in Klischees zu fallen.
Was Vorrang hat, ist Deine Vision.

Langsames Brennen


Eines der beliebtesten Tropen, um romantische, emotionale Spannung heraufzubeschwören, ist das gute alte „langsame Brennen“.
Herrlich zu beobachten in Stolz und Vorurteil, wenn Elisabeth und Mr Darcy umeinander kreisen und Moment für Moment näher kommen, bis nichts mehr bleibt als zuzugeben, dass die Liebe gesiegt hat.
Aber wie schaffst Du es, dass sich die Zuneigung Deiner zwei Figuren füreinander entzündet? Denn zu schnell darf es nicht gehen.
Hier sind sieben Etappen, die Dir helfen können, eine genussvolle Slow Burn zu schreiben.

Im Gegensatz zur ‚Liebe auf den ersten Blick‘ wird das Interesse noch nicht direkt geweckt. Vielmehr läuft es so ab, dass die beiden Figuren sich bemerken, eine Sekunde zu lange hinschauen, versuchen, sich nichts anmerken zu lassen, vielleicht sogar einander ignorieren -aber der Funke ist gesprungen.
Auch wenn die beiden Figuren es noch nicht ahnen oder gar wagen, sich Hoffnungen zu machen, die Lesenden spüren: Da geht was!

Sobald sich die beiden Figuren öfters begegnen und anfangen, miteinander zu kommunizieren, werden Missverständnisse, Reibereien, Sticheleien, peinliche Momente oder sogar die ersten süßen Augenblicke nicht lange auf sich warten lassen.

Inzwischen kennen sich die beiden Figuren einigermaßen und eine gewisse Vertrautheit stellt sich ein. Hier beginnen sie, sich richtig kennenzulernen und Eigenheiten aneinander zu bemerken. Ab hier fängt das gegenseitige Interesse an zu wachsen.

Je nach Genre, Plot und Handlung stellen sich Probleme und Widersacher in den Weg, die beseitigt werden müssen, damit die beiden Figuren glücklich miteinander werden können. Der positive Aspekt ist, an den Herausforderungen wachsen sie und mit ihnen auch ihre Zuneigung und Bindung zueinander.

Aus Versehen entweichen einer oder beiden Figuren Taten oder Worte, die die wahren Gefühle verraten. Nun ist es raus, es gibt kein Zurück mehr. Und was nun?

Entweder die Figuren stehen zu ihren Gefühlen oder sie laufen davon. Jedenfalls herrscht erst einmal Verwirrung darüber, wie es weitergehen soll.

All die Mühen, Kämpfe und Missverständnisse haben einen Preis. Die beiden Figuren sind sich nun endlich sicher -sie gehören zusammen. Die Auszahlung könnte ein Kuss sein oder ein Liebesgeständnis, aber hier endet der Slow Burn.
(Dies bedeutet nicht automatisch auch das Ende der Geschichte, sie kann immer noch weitergehen, aber da sind sich Deine Figuren ihrer Verbindung gewiss.)

Feinde zu Liebenden


Eines jener Tropen mit dem größten Reizpotenzial. Deine Figuren beginnen ihre Bekanntschaft mit negativen Eindrücken übereinander. Sie streiten sich, bekämpfen sich womöglich sogar, doch allmählich lernen sie, dass ihre Ansichten dem anderen gegenüber vielleicht doch gar nicht stimmen? Und sie fangen an, sich in neuem Licht zu sehen.

Ob die erste Begegnung tatsächlich süß verläuft, ist fraglich. Deine Figuren erleben Momente, in denen sie sich gegenseitig in einem negativen Licht erleben und ihr Kennenlernen wenig erfreulich verläuft.
Dies ist der Auslösende Vorfall an der 12% -Marke.

Streitereien, Missverständnisse, gegensätzliche Ziele oder sogar Lügen, bringen Deine Figuren gegeneinander auf. Mit dem anfreunden? Vergiss es!

Die negativen Ansichten verhärten sich und bilden die „Lüge“, nach der deine Hauptfigur ihr Ziel und das Handeln ausrichten wird.
Dies passiert beim ersten Handlungspunkt an der 25%- Marke.

Bei einer Begegnung passiert etwas, das nicht in die Lüge der Hauptfigur passt. Das Liebesinteresse handelt oder spricht anders als erwartet. Ist er vielleicht doch nicht so übel? Aber noch ist Deine Hauptfigur nicht bereit, ihre Meinung über ihn aufzugeben.

Etwa in der Mitte bekommt die Lüge weitere Risse und Deine Figur beginnt, das Liebesinteresse anders zu sehen. Noch ist sie nicht überzeugt, doch sie ist sich ihrer Lüge auch nicht mehr gänzlich sicher.

Stur weiter an der Lüge festzuhalten, bringt Deine Hauptfigur nicht mehr weiter. Sie kann ihre Argumente gegen das Liebesinteresse nicht länger rechtfertigen und die wachsende Zuneigung unterdrücken.

Eine Herausforderung zwingt die Hauptfigur dazu, ihre Lüge endgültig zu hinterfragen und nach vorne zu blicken.
Dies passiert beim dritten Handlungspunkt an der 75% -Marke.

Der Höhepunkt!
Deine Hauptfigur gesteht sich ihre Liebe ein und lässt ihre Lüge hinter sich. Erst dadurch ist ihr möglich, eine Verbindung mit dem Liebesinteresse einzugehen.


Freunde zu Liebenden


In dieser Trope kennen sich die zwei Figuren bereits seit ihrer Kindheit oder zumindest seit geraumer Zeit. Gemeinsam erlebten sie sich gegenseitig beim Aufwachsen, spielten Streiche, hörten einander zu und standen sich bei. Sie waren bei den wichtigen Momenten im Leben des anderen dabei und wissen, wie der andere „tickt“. Als sie erwachsen werden, weichen die platonischen Gefühle auf einmal romantischen und die Hauptfigur sieht ihren guten alten Freund auf einmal in neuem Licht. Doch ob er für sie auch so empfindet? Oder wird er sie nur weiterhin als Kumpel sehen? Der Reiz dieser Trope besteht im Gewirr der Gefühle zwischen Freundschaft und romantischer Liebe und den vielen Schattierungen dazwischen.

Da sich Deine Hauptfigur und ihr Freund bereits kennen, gibt es kein Meeting Cute. Nutze den Auslösenden Vorfall stattdessen, um den Moment zu beschreiben, wie Deine Figur zum ersten Mal einen romantischen Blick auf ihren Freund entwickelt. Da dies eine ganz neue Erfahrung für sie ist, wird sie diese verrückte Idee zunächst ablehnen und glauben, sie irre sich und es sei ganz ausgeschlossen.
ODER sie ist bereits seit langem in ihn verliebt, traut sich aber erst jetzt, ihn darauf anzusprechen. So oder so, die bisher rein platonische Freundschaft ist vorbei.
Es wird kompliziert!

Je nachdem, wie sich Deine Handlung entwickelt, geht es gerade hoch her im Herzen Deiner Hauptfigur. Sie ist verwirrt über ihre Gefühle oder fürchtet, diese könnten abgelehnt werden, was zum Bruch in der Freundschaft führen könnte. Natürlich ist das letzte, was sie will, ihren Freund zu verlieren. Also unterdrückt oder überspielt sie sie.
Der Freund währendessen könnte entweder nichts davon ahnen und sich über das neue, seltsame Verhalten wundern.
ODER -da er nun um diese neue Entwicklung weiß -wird es auch in seinem Herzen turbulent.
Einer oder beide werden versuchen, den „alten Zustand“ wiederherzustellen oder zu behalten, was die „Lüge“ darstellt.

Deine Hauptfigur klammert sich an die Freundschaft, in der Hoffnung, sie möge noch zu retten sein, doch ihre wachsenden romantischen Gefühle gefährden diese.
Als der Freund dann davon erfährt, dass die Freundschaft nicht mehr so „unkompliziert“ sei, muss er sich dem stellen. Entweder er hegt auch schon die ganze Zeit mehr als nur platonische Zuneigung für sie oder dieser Punkt in der Mitte ist der Auslöser für ihn.
ODER, da der Freund bereits über die Verliebtheit im Bilde ist, könnte er sich zaghaft dem zuwenden und überlegen, wie er damit umgehen soll.

Alles wäre einfacher, wenn die beiden Figuren Freunde blieben, doch eine Herausforderung zwingt sie, ihre Gefühle und die Entschlossenheit füreinander auf die Probe zu stellen.
Ab hier kippt die bisherige Freundschaft entweder klar in Richtung romantische Beziehung oder sie zerbricht (vorläufig) bei dem Versuch daran.

Deine Figuren müssen sich gegenseitig den Beweis liefern, dass sie zusammengehören und dass ihre Loyalität füreinander durch keinen Konflikt zu brechen ist. Wenn bis hierher noch ausstehende Liebeserklärungen übrig geblieben sind, dann ist die perfekte Gelegenheit der Höhepunkt.

Deine Figuren haben sich gegenseitig bewiesen, was sie einander bedeuten und dass sie nun bereit sind, in eine neue Verbindung einzutreten.
Das Gute an dieser Trope ist, dass der Zusammenhalt, der sich in der Phase der Freundschaft entwickelt hat, als stabile Basis der neuen Beziehung dienen wird.

Verbotene Liebe


Verstohlene Blicke, geheime Treffen bei Nacht, die Gefahr, entdeckt zu werden -eine knisternde Kombination. Diese Trope schreit nach Spannung, dem Reiz des Verbotenen und der Frage, was passiert, wenn die Liebenden auffliegen.
Hier entwickelt sich die potenzielle Beziehung schnell, denn der Hauptaspekt dieser Trope liegt klar auf dem Wie.

Oder sollte ich besser sagen, Meeting Hot?
Deine Figuren begegnen sich und schon nach kurzer Zeit verspüren sie magnetische Anziehung zwischen sich. Manche nennen es auch Chemie. An dieser Stelle muss noch keine Verliebtheit beginnen, vielmehr geht es darum, Appetit zu wecken. Neugierde. Die Lust auf mehr.

Deine Figuren bekommen mehrere Gelegenheiten sich wiederzusehen, natürlich stets in Situationen, in denen sie sich unterhalten können, aber ihr wachsendes Begehren aufeinander nicht offen zeigen dürfen. Die wahre Konversation spielt sich im Subtext ab. In scheinbar unbeabsichtigten Berührungen, flüchtigen Blicken, erzwungener Nähe.
In dieser Phase stellt sich auch ein äußerer Konflikt in den Weg, der die beiden Liebenden zu Geheimnishaltung verpflichtet und den Einsatz festlegt, sollte die Affäre auffliegen.

Deine Figuren, ob sie nun schon ineinander verliebt sind oder sich rein körperlich begehren, finden Gelegenheiten, sich zu verabreden und miteinander in Verbindung zu bleiben. Natürlich passiert es im Stillen und fern von wachsamen Augen.

Während es vorher schon riskant war, steigt jetzt auch noch der Einsatz. Die Treffen werden rarer und sind mit mehr Gefahr verbunden, die Sehnsucht steigt. Auch müssen sich die Liebenden mit den Fragen auseinandersetzen, wie sie aus der Schattenromanze rauskommen und wie es mit ihnen weitergehen soll. Denn ewig werden sie so nicht weitermachen können.

Natürlich fliegt ihre geheime Beziehung auf und die Karten liegen auf dem Tisch. Der äußere Konflikt greift nach dem Glück der Liebenden und sie müssen aktiv darum kämpfen. An dieser Stelle wird auch geprüft, ob die Liebenden willens und fähig sind, ihre Verbindung fortzuführen, oder ob dies nur eine vorübergehende Schmachterei war.

Hier entscheidet sich, ob die Liebe weiterhin verboten bleiben muss oder ob sie im Licht des Tages existieren darf. Oder, ob sie sogar ganz anders endet. Bedenke, wie Romeo und Julia ausgegangen ist. Auch sie führten eine verbotene Liebe.

Es könnte sein, dass einer oder beide der Liebenden einen Verlust in Kauf nehmen müssen oder eine folgenschwere Entscheidung treffen, die sie von den Fesseln der bisherigen Umstände befreien, um endgültig zusammen sein zu können.

Zweite Chance


In dieser Trope kennen sich Deine Figuren schon und hatten bereits eine nähere Verbindung zueinander gehabt. Doch die zerbrach oder musste aus anderen Gründen aufgelöst werden. Was geblieben ist, sind unverheilte Narben im Herzen, unausgesprochene Worte, Sehnsucht, vielleicht sogar Groll. Aber vor allem Hoffnung.
Hoffnung auf eine neue Liebe.

Oder besser gesagt, das Wiedersehen. Deine Figuren begegnen sich nach langer Zeit der Trennung wieder und ob diese süß verläuft, ist fraglich. Es könnte sogar passieren, dass sie sich in die Wolle kriegen und sich Vorwürfe machen wegen dem, was ungeklärt geblieben ist.
ODER es könnte sein, dass sie eine harmonische Vereinigung erleben und nur noch nicht wissen, wie es weitergehen soll. Bleiben sie Freunde, wie empfindet der andere inzwischen, wie sollen sie aufklären, was zuvor passiert ist?

Deine Figuren müssen neu miteinander anfangen und merken, dass sie nicht mehr dieselben sind wie früher. Sie haben sich weiterentwickelt, dazugelernt, verfolgen neue Ansichten und Ziele. Doch noch immer belasten die Ereignisse aus der ersten Beziehung ihre Annäherung oder es gibt Missverständnisse, die wie ein Keil zwischen ihnen stecken.

Die erste richtige Annäherung. Vielleicht wird an diesem Punkt ein Teil des Konfliktes beleuchtet und zumindest ansatzweise geklärt. Deine Figuren spüren, es ist doch noch nicht zu spät, neu anzufangen. Aber noch sind sie nicht so weit, die Vergangenheit hinter sich zu lassen.

Deine Figuren haben sich neu kennengelernt und erleben sich auf einer Ebene wie nie zuvor. Sie könnten tatsächlich wieder zusammenkommen.

Doch die Vergangenheit holt sie ein und was sie auseinandergetrieben hat, zwingt sie erneut, sich dem zu stellen. Oder Deine Figuren erreichen einen Punkt, an dem sie glauben, doch nicht mehr zueinander zu passen und eine zweite Chance wäre unerreichbar.

Schmerzliche Auseinandersetzungen, Vergeben und ehrliche tiefe Kommunikation siegen über den Groll aus der Vergangenheit und was Deine Figuren auseinandergehalten hat, ist bewältigt. Auch müssen sie klären, wie sie ihre gemeinsame Zukunft ausrichten wollen und welche Umstände sie dafür verändern müssen.

Dreiecks-Beziehung


Okay, es gibt zwei Meinungen zu dieser Trope: Die einen lieben sie, die anderen hassen sie. Und das hat einen Grund. Denn tatsächlich sind viele Beispiele einfach nur schlecht geschrieben, weswegen diese Trope ein relativ schlechtes Image bekommen hat. Deswegen hier die genaue Definition des Liebes-Dreiecks:


Drei Figuren geraten in eine romantische Konstellation, und ES IST BIS ZUM SCHLUSS nicht eindeutig zu erkennen, wer mit wem zusammenkommen wird.


Darum geht es. Das große Rätselraten, wie sich diese Konstallation auflösen wird.
Ist das Liebesdreieck richtig geschrieben, kann es Deinen Lesenden viel Spaß bereiten. Womit Du ein Liebesdreieck nicht verwechseln oder gleichsetzen solltest, ist die Liebes-Pyramide.

Die Liebes-Pyramide geht nämlich davon aus, dass eine Figur (meistens der Protagonist oder die Protagonistin) die Wahl hat zwischen zwei Liebesinteressen, die beide aktiv um sie buhlen.

Und dann gibt es diesen (schlechten) Versuch, romantische Spannung zu erzeugen, indem die Hauptfigur zwar schon ein festes Liebesinteresse hat und auch schon eine mehr oder minder feste Bindung besteht, aber dennoch mit einer weiteren Figur schäkert und sich „nicht entscheiden kann“, obwohl das Ergebnis meilenweit vorauszusehen ist. Dieser Plot erzeugt unnötige „Probleme“, die nicht einmal eine richtige Auflösung bekommen, weil eh klar.

Die Dreiecks-Beziehung bekommt von mir keinen Plot, ich wollte lediglich die Definition erläutern und sie differenzieren. Die Möglichkeiten, diese Trope zu gestalten, sind einfach zu vielfältig.

Wichtig ist, dass alle drei Figuren klare Vor -und Nachteile voneinander beziehen und diese ausgewogen sein müssen. Wenn Figur A mehr gibt als Figur B, wird schnell klar, wer das Rennen machen wird. Also, Ausgeglichenheit ist der Schlüssel!

Stelle Dir die Story vor wie ein Rätsel. Viele kleine Momente der Begegnungen und süßen Augenblicke sammeln sich, doch wie sich sich letztendendes niederregnen, wird erst zum Höhepunkt klar. Mach es spannend und mach es uneindeutig. Beinahe so wie einen Thriller. Aber in romantisch 😉

Anziehung aufbauen

Was macht eine romantische Geschichte so besonders interessant und lesenswert?
Ich würde sagen, es ist der emotionale Aspekt. Das Annähern der Figuren, das Erwecken des Interesses, dieser magische Quantensprung von platonischer Bekanntschaft zu Liebe. Der Reiz liegt darin, wie sich zwei völlig verschiedene Menschen treffen und miteinander umgehen.

In den letzten Jahren habe ich beobachtet, wie immer öfter auf diesen Teil verzichtet und gleich zum körperlichen übergegangen wird. Echte zwischenmenschliche Entwicklung gerät in den Hintergrund, Erotik nimmt immer mehr Seiten in den Werken ein.

Klar, ein bisschen Knistern ist spannend und lässt sich leichter umsetzen, denn es ist sensorisch und bringt mehr „Action“. Und seit Fifty Shades of Grey ist sie sogar salonfähig geworden. Ich werde im nächsten Kapitel näher darauf eingehen.

Aber weißt Du was? Sogar Erotik, ohne eine emotionale Verbindung als Basis, wird irgendwann langweilig. Das mag manchen genügen, doch die meisten Lesenden könnten locker auf Erotik verzichten, wenn dafür die Romanze gut geschrieben ist.
So, und das ist das Ziel!
Wie baust Du also eine emotionale Anziehung auf?

Mit Anziehung meine ich in diesem Kapitel die Attraktivität zwischen zwei Personen, konkreter, zwischen Hauptfigur und Liebesinteresse.
Anziehung findet auf vielen verschiedenen Ebenen statt, wie etwa

Äußerliche Eigenschaften wie Gesicht in ihrer Form und Symmetrie, Haare, Augen, Mund, Körpergröße, Statur, gesundheitlicher und vitaler Zustand, Geruch, Ähnlichkeiten zueinander

Status und Macht, sozialer Rang, finanzielles Potenzial

charakterliche Eigenschaften, Temperament, Einstellungen zum Leben und zur Welt, gemeinsame Ziele, gemeinsame Werte

Dies sind jetzt ein paar Beispiele, die das Thema grob abdecken.
Auch unter der Anziehung gibt es verschiedene Arten, so etwa

Sympathie
Verliebtheit
(tiefe) Verbundenheit
Bewunderung aus der Distanz (Fan)
Obsession

Da sich dieser Artikel aber um Romantik dreht, picke ich mir die Verliebtheit heraus, das Deine Hauptfigur und das Liebesinteresse erreichen sollen.
Wie machst Du das?

Die erste Begegnung, das Meeting Cute. Deine Figuren treffen sich durch die Verwicklung mehrere Umstände oder dieses Treffen war geplant. Sie könnten sich direkt ins Augen fallen und äußerliche Details bemerken, die entweder unterbewusst angenehm vertraut wirken oder auf spannende Weise fremd und neu.
Vielleicht müssen Deine Figuren aber auch zuerst miteinander kommunizieren oder gemeinsam etwas erleben, um aufeinander aufmerksam zu werden.

Gib ihnen bei ihrer ersten Begegnung ein Element, was sie miteinander verbindet. Dies könnte eine Situation sein, in der beide zusammen drin stecken oder ein Ziel, das sie verfolgen. Deine Figuren müssen nicht sofort in Liebe verfallen, aber sie sollten sich bei der nächsten Begegnung eindeutig wiedererkennen.

Deine Figuren bekommen mehrere Gelegenheiten, ihre Persönlichkeiten zu zeigen.
Das Liebesinteresse könnte etwas tun oder sagen, dass zufällig einen wichtigen Teil in Deiner Hauptfigur anspricht, wie etwa den Humor oder einen Wert wie Intelligenz oder Fürsorge.
Wichtig ist, dass sich die beiden ineinander wiedererkennen und einen Widerhall ihres Charakters erleben.
Egal, wie unterschiedlich sie von außen sein mögen, bestimmte Eigenschaften und Ansichten sollten sich ergänzen. Lass sie nicht allein durch äußerliche Schönheit miteinander in Kontakt treten. Das mag anfangs wirken, aber auf Dauer ist dies zu wenig. Sie sollten sich in ihrem Inneren zueinander hingezogen fühlen.

Es gibt verschiedene Arten von Intimität, zum Beispiel emotionale, körperliche, intellektuelle und erfahrungsbezogene. Deine Figuren sollten sich auf verschiedenen Ebenen kennenlernen, um zu merken, dass sie zueinanderpassen.
Was Intimität aber vor allem bedeutet, ist: Sich öffnen zu können und seine Wahrheit zu verraten. Das, was man wirklich denkt und empfindet, sollte einen sicheren Platz haben (der Partner) ohne Angst zu haben, dass diese verleugnet oder reduziert wird.
Auch die Gewissheit, dass der potenzielle Partner emotionale und körperliche Sicherheit garantiert, ist ein wichtiger Aspekt.

Viele Etappen sind notwendig, um den Schritt in die Verbindlichkeit zu wagen. Das mag je nach Persönlichkeit unterschiedlich schnell gehen. Manche sind eher dazu bereit, während andere einen langen Weg gehen müssen (was aber nicht unbedingt etwas „schlechtes“ zu bedeuten hat. Es ist eher die Differenz, die zu Konflikten führen kann).
Bevor Deine Figuren bereit sind, eine feste Beziehung zu führen, müssen sie vieles erleben, gemeinsame Herausforderungen bewältigen, die Hintergründe kennenlernen und verstehen, wie die inneren Konflikte des anderen aussehen.
Bindung bedeutet, einander zu verstehen und zu akzeptieren, einen sicheren Hafen zu haben und dennoch die Gewissheit besitzen, frei zu sein.

Ich habe diesen Schritt aus dem Grund an letzte Stelle gesetzt, weil der Aufbau von Vertrauen am längsten braucht und auch weit bis nach der Bindung andauert.
Vertrauen entsteht, wenn Worte und Handlung zusammenpassen. Wenn man sein kann, wer man ist und dies so akzeptiert wird. Wenn man sich aufeinander verlassen kann. Wenn Respekt und Ehrlichkeit vorherrschen und man sich offen ausdrücken kann.

Vertrauen braucht Zeit, doch kann schnell zerstört werden. Und wenn dies einmal passiert ist, wird das danach aufgebaute Vertrauen nie wieder so stark sein wie beim ersten Mal.
Was ich allerdings schon gesehen habe, ist, wenn Vertrauen in einer überstützten Verliebtheit zu den Füßen des Liebesinteresses geworfen wird. Das ist dumm. Sorry für diese ehrlichen Worte. Aber das ist keine Liebe und demnach auch nicht romantisch. Es ist leichtsinnig und hat schon viel zu oft tragisch geendet.
Vertrauen ist unschätzbar und sollte als ein großer Preis bis zum grande finale verdient werden.

Erotik

Kommen wir zum letzten Kapitel!
Hier geht es um den körperlichen Aspekt einer Beziehung und wie Du ihn für Dich nutzen kannst.
Es heißt sex sells, und das stimmt, aber ist es schlecht umgesetzt, kann es genauso gut nach hinten losgehen und Dein Werk vermurksen. Also, überlege weise, ob Du es wirklich brauchst.

Ich will in diesem Kapitel nicht vermitteln, dass Du Erotik unbedingt nutzen sollst, nein. Wenn Du glaubst, Erotik nutzen zu MÜSSEN, um Deine Geschichte aufzuwerten, dann machst Du es womöglich falsch.
Schau zuerst, dass Deine Story auch ohne solche Sequenzen auskommt. Und wenn Du dann sicher bist und Erotik dennoch bestimmte Funktionen erfüllen muss, dann let’s go!

Betrachte Erotik wie eine Actionszene. Je nach Genre und Erwartungen kann Action anders ausfallen. In Thrillern und Krimis sind es vielleicht rasante Autojagden, in Science Fiction sind es epische Schlachten im Weltraum, was auch immer.
Erotik ist eine Art von Action in der Romantik.
Was passiert, wenn Action nur zum Selbstzweck passiert? Genau, sie wird langweilig.
Das wollen wir nicht.

Erotik muss dem Plot dienen, nicht als Blaupause zur Vermeidung von emotionaler Annäherung. Menschen sehnen sich beim Lesen nach echten, tiefen, authentischen Verbindungen, nicht nach Sex in jeder zweiten Szene.

Also, wie lässt sich Erotik sinnvoll nutzen?


Zum Beispiel, um die Persönlichkeit Deiner Figuren zu verdeutlichen, ihre Intentionen, ihre Beziehung zueinander, ihre emotionalen Zustände, worauf sie Wert legen.

Nutze Erotik als Mittel zu Kommunikation.

Oder Deine Figur muss unbedingt ein bestimmtes Ziel erreichen oder etwas in die Hände bekommen und die erotische Handlung dient als Ablenkung oder als Widerstand. (Natürlich müssen beide Parteien zustimmen!)

Was kannst Du mitnehmen?
Nutze Erotik, um Deine Figuren zu charakterisieren oder die Handlung voranzubringen. Dient Dir die Szene in keiner der beiden Fälle, lass sie weg.

Das war der zweite Teil des Artikels Romantik.
Er ist länger geworden als beabsichtigt, aber ich hoffe, ich konnte Dir einige Inspiration mitgeben.
Ich verspüre auch das Bedürfnis, eine Liste anzufertigen mit allem, was Dich unterstützen könnte, Anziehung in Form von Körpersprache zu übersetzen für Interesse, Sympathie, Begehren, aber auch gemischte Signale. Vielleicht eines Tages.

Das nächste Mal jedoch wird es gruselig! Freue Dich auf das Genre Horror.
Viele Dank für Dein Interesse, neugierige Seele 😀

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