„… Am Anfang steht Normalität. Heile kleine Welt. Familie, Nachbarn, Freunde. Dann bricht etwas ein. Unheimlich, unerklärlich. Die Ordnung erodiert, und je weiter das Ganze voranschreitet, desto schlimmer wird es. Sicher geglaubte Strukturen zerfallen. Gewissheiten enden, Vertrautes wendet sich gegen uns. Thriller erzählen vom Kontrollverlust. …“ Frank Schätzing (Quelle: Wikipedia)

So, Du willst also einen Thriller schreiben.
Während es bei einem Kriminalroman darum geht, ein bereits begangenes Verbrechen aufzuklären, dreht sich das Genre des Thrillers darum, ein zukünftiges Verbrechen zu verhindern.
Dieses Verbrechen könnte alles sein -von einer Entführung, über Serienmord bis hin zum Versuch, mithilfe eines Viruses die Weltbevölkerung zu reduzieren. Die Einsätze sind höher, die Spannung auch.

In welchem Subgenre Du die Geschichte planst, hat einen maßgebenden Einfluss auf die Wahl Deiner Figuren, das Setting und welche Art von Spannung das Lesevergnügen prägen wird.
Ein Psychothriller wird Deine Lesenden auf einen Trip mitnehmen, wie Menschen sich gegenseitig dazu bringen, an ihrem gesunden Menschenverstand zu zweifeln und in den Wahnsinn treiben.
Ein Politthriller dagegen wird geprägt sein von Intrigen, Korruption und Machtspielen.

Actionthriller
Reißerische Verfolgungsjagden, Kämpfe und tickende Zeitbomben treiben den Puls in die Höhe.

Katastrophenthriller (auch: Öko-Thriller)
Das potenzielle Worst Case-Szenario ist eine Katastrophe.

Politthriller
Verstrickungen und Intrigen in der Politik.

Psychothriller
Das Wecken von Ängsten, Unsicherheiten und Phantasien sind wesentlicher Bestandteil der Spannung.

Spionagethriller
Agenten und Spione wie z.B. James Bond kämpfen um das Erfüllen ihrer Aufträge.

Technothriller
Hier spielt Technik eine relevante Rolle.

Verschwörungsthriller
Eine Verschwörung zwingt die Hauptfigur zum Handeln.

Wissenschaftsthriller
Entdeckungen oder Entwicklungen in der Wissenschaft bringen die Handlung ins Rollen.


Die Hauptfigur

Der Thriller lebt von dem Katz -und Mausspiel der Kontrahenten. Um dies zu erreichen, müssen sich Hauptfigur und Antagonist auf einem hohen Level in Intelligenz und Kompetenz ebenbürtig sein, oder zumindest sollte die Figur Fähigkeiten besitzen, die sie auf der Jagd unterstützen.


Mache Deine Hauptfigur auf jeden Fall fähig auf dem Feld zu spielen, sei es durch ihr Wissen, ihre Insider-Erfahrungen oder durch körperliche Agilität. Sie muss der Schlüssel sein, um den Konflikt aufzulösen.

Der Antagonist

Kommen wir zum Herzen des Thrillers. Dieses Genre wäre nur halb so spannend, wenn es keinen Antagonisten gäbe wie zum Beispiel dem Joker, dem Paradebeispiel für ein wahnsinniges Genie. Er traut sich was, er ist gut vernetzt und versteht sein „Handwerk“ und jedes Mal, wenn Batman glaubt, ihn dingfest zu haben, eröffnet der Joker einen weiteren Teil seines Plans.

Im Gegensatz zum Krimi, wo die Hauptfigur die Handlung vorantreibt, ist es im Thriller der Antagonist oder besser gesagt, sein teuflischer Plan.
Hier kannst Du ruhig so richtig übertreiben und den Serienmörder auspacken, wie Hannibal Lecter in Das Schweigen der Lämmer. Hier geht es auch nicht mehr so sehr um Wahrscheinlichkeit und Realismus, wobei das vom Subgenre abhängt.

Der böse Plan

Damit die Handlung und die damit versprochene Spannung so richtig fruchten, braucht Dein Antagonist einen Plan. Und diesen Plan musst Du -nun -planen.

  1. Was ist das Ziel des Antagonisten und die dahinter stehende Motivation?
  2. Was für ein Charakter ist Dein Antagonist? Geht er planvoll vor, kalkuliert jeden Schritt oder agiert er eher spontan und aus der Situation heraus? Hat er eine chaotische Ader, so wie der Joker?
  3. Was sind die konkreten Stufen seines Planes, was muss er an Ressourcen bekommen (Gefährten, Waffen, Geld), um ihn umzusetzen?
  4. Welche Opfer muss er bringen?
  5. An welchen relevanten Stellen tangiert er die Hauptfigur, sodass die beiden aneinander geraten? Wie wird dieses aussehen? Eine wilde Verfolgungsjagd oder ein Intelligenz-Duell? Oder vielleicht eine Verhandlung?
  6. Welche wertvollen Erkenntnisse erhält Deine Hauptfigur, die sie in die nächste Szene mitnimmt oder muss der Antagonist womöglich seinen Plan neu anpassen?

Ähnlich wie für den Krimi brauchst Du eine genaue Vorstellung davon, wie die Handlung abläuft, an welcher Stelle welcher Schachzug getan wird, in welcher Sequenz ein Plot Twist oder ein Red Hering platziert werden muss.
Es mag zu Anfang ein wenig kompliziert sein, doch ganz ohne einen Plan könntest Du schnell den Faden verlieren. Sei wie der Antagonist: Erstelle einen Meisterplan!

Spannung, Spannung, Spannung

Es ist das, wofür Lesende einen Thriller-Roman überhaupt aufschlagen -um der Spannung willen. Klar.
Wie erzeugst Du sie?

An erster Stelle stehen natürlich die gegensätzlichen Ziele, das Deiner Hauptfigur und das des Antagonisten. Oftmals läuft es nach dem Prinzip, der Böse will seinen Plan umsetzen und der Gute will dies verhindern.

Warum will der Gute den Plan verhindern? Weil die Einsätze hoch sind. Sehr hoch.
Im Buch Inferno von Dan Brown dient nichts geringeres als die Weltbevölkerung als Preis, sollte Robert Langdon versagen.
In Misery von Stephen King ist es das Leben des Autors Paul Sheldon, das auf dem Spiel steht.

Was auf jeden Fall die Lesenden ans Buch fesselt, sind Rätsel, Geheimnisse und fehlende Informationen, die es zu lüften gilt.
Und gerade, wenn Deine Hauptfigur glaubt, alles durchschaut zu haben, dreht sich die Handlung mithilfe eines Plot Twists und Freunde werden zu Feinden oder Verbündete zu Verrätern.

Schau Dir hier an, wie Du noch mehr Spannung erzeugen kannst.


Die Nebenfiguren

Vielleicht planst Du eine One-Man-Show oder eine One-Woman-Show, was vollkommen legitim ist, aber selbst dann wirst Du weitere Figuren brauchen, die den Protagonisten unterstützen oder gegen ihn agieren, wahre oder falsche Fährten legen und die Welt bevölkern.

Sie sind auch wichtig, um das Leben, das Deine Hauptfigur zu Anfang führt, zu illustrieren und zu zeigen, wer ihr wichtig ist und warum.
Je nach Länge Deiner Handlung, werden womöglich ein paar mehr Nebenfiguren auftreten, aber achte darauf, die Zahl knackig zu halten, um die Story nicht zu verwässern.


Mindestens ein Opfer

Um die Gefährlichkeit Deines Antagonisten zu verdeutlichen und die Einsätze hoch zu halten, werden womöglich mehrere Figuren ihr Leben lassen, sowohl in der Zeit vor der eigentlichen Handlung, als auch während dieser.

Manche Schreibende brüsten sich mit einem hohen bodycount, also einer nicht geringen Zahl an Toten, doch anstatt wahllos viele Opfer in die Geschichte einzustreuen, überlege Dir genau, welche Tode tatsächlich Emotionen bei Deinen Lesenden wecken und welche Konsequenzen folgen.
Nicht der bodycount zählt, sondern der persönliche Verlust.


Planen wir einen Thriller


Wir haben die nötigen Zutaten für einen spannenden Thriller, nun lass ihn uns planen!
Damit Deine Lesenden Deine Geschichte als Thriller erkennen und sich in einer gewohnten Struktur wiederfinden, stelle ich Dir sechs Schlüsselszenen vor, die Deiner Geschichte eine stabile Grundlage geben.

Es könnte Deine Hauptfigur sein, die das Verbrechen als erste sieht, oder sie erfährt es von jemand anderem. Wichtig ist, dass diese Tat auf einen gefährlichen Antagonisten hindeutet, der entweder klug handelt oder so etwas schon einmal begangen hat.
Für gewöhnlich ist dieser Moment der Auslösende Vorfall an der 12%-Marke, ab hier beginnt Deine Hauptfigur, ihr Ziel zu verfolgen, ein weiteres Verbrechen zu verhindern.

An dieser Stelle erkennt Deine Hauptfigur, dass, sollte sie versagen, etwas, das für sie von hohem persönlichen Wert ist, ebenfalls verloren gehen könnte. Das Vorhaben, den Antagonisten zu stellen und das zukünftige Verbrechen zu verhindern, ist nun definitiv ein persönliches Anliegen für Deine Figur.

An der 50%-Marke hört Deine Hauptfigur von dem teuflischen Plan des Antagonisten und was dieser tatsächlich erreichen will. Und wieder steigen die Einsätze. Deine Hauptfigur kann nicht mehr einfach nur reagieren, sie geht aktiv vor, um die potenzielle Katastrophe aufzuhalten.

Deine Hauptfigur tut etwas, das sie in die Krallen des Antagonisten fallen lässt. Sie ist ihm ausgeliefert und schwebt nun selbst in höchster Gefahr.
Diese Szene befindet sich normalerweise an der 75%-Marke und leitet vom zweiten Akt in den dritten, zur Auflösung.

Der Höhepunkt: Sie stellt sich ihm persönlich in den Weg und die beiden bekämpfen sich von Angesicht zu Angesicht. Üblicherweise kann deine Hauptfigur an dieser Stelle eine besondere Fähigkeit einsetzen, die sie als Heldin oder Held ausmacht und nur sie in die Position bringt, den Antagonisten zu besiegen.

In der letzten Szene erfahren Deine Lesenden, ob die Bemühungen Deiner Hauptfigur gefruchtet haben und der Antagonist seiner gerechten Strafe zugeführt werden kann.

Thriller gehören wohl zu den spannungsgetriebenen Genres da draußen und das Schreiben ist mit einem gewissen Anspruch an Planung verbunden. Doch dafür entlohnen die Geschichten mit Nervenkitzel außerhalb der Komfortzone.

Vielen Dank für Dein Interesse bis zum Schluss.
Ich hoffe, ich konnte Dir einen hilfreichen Überblick mitgeben und dass Du auch den kommenden Artikel verfolgen möchtest. Es wird romantisch!

Bis zum nächsten Mal, neugierige Seele 😉

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